Jocasta und die Pfade zur Apocalypse

Orchidalia und der Absorberkrieg

Dieses Buch erzählt die Geschichte von Jocasta und wie aus den sieben Mädchen die Dämonenkinder wurden. Diese Leseprobe enthält nur Auszüge aus dem Buch, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen sind.

Die Flucht

Die Sonne war gerade erst aufgegangen und dennoch waren bereits mehrere Kinder im Wald und rannten durch ihn hindurch. Die Bäume standen nicht sehr dicht und ihre Zweige begannen erst weiter oben, so daß das Licht der Sonne gut hineinstrahlen konnte. Alle Kinder trugen Kleider, wie sie aus dem Mittelalter bekannt waren und sie waren auf der Flucht. Es waren sieben Mädchen und sie waren nicht älter als acht Jahre. Sie alle kannten sich schon länger und waren ein eingeschworenes Team.

"Wir müssen schneller laufen, sonst erwischt er uns wieder !! " rief eines der Mädchen.

Die junge Dame wurde Amanda genannt und wirkte in der kleinen Gruppe erstaunlich normal.

"Wir sind nicht schnell genug, weil Abse unbedingt ihr blödes Haustier mitnehmen mußte ! " rief ein anderes. Ihr Name war Celya und sie wirkte schlapp und schläfrig.

"Ihr könnt mich mal, ich laß Mausi nicht zurück. " konterte Abse.

Die junge kleine Dame war leicht zu provozieren und reagierte oft aggressiv. Das einzige, was sie etwas milde stimmen konnte, war ein merkwürdiges Geschöpf, welches sie mit beiden Armen an ihren Körper preßte. Es gab immer wieder Laute von sich, die weithin hörbar waren und sicher von ihren Verfolgern wahrgenommen wurden. Obwohl Abse versuchte es mit Streicheleinheiten zu beruhigen, jammerte es weiter.

"Mausi wird unser aller Untergang sein, wenn es nicht endlich still ist. "

Dieses junge Mädchen war eine Elfe, gut zu erkennen an den spitzen Ohren. Ihre langen Haare reichten bis zu ihrer Hüfte, waren leuchtend rot und gelockt. Das machte sie sehr auffällig. Ihr Name war Veltissa.

Die Kinder waren ohnehin recht auffällig in ihrer Erscheinung. Eines weiteres Mädchen hatte grüne Haare, die einen natürlichen Ursprung hatten und immer wenn sie ein breites Grinsen aufsetzte, zog sich dieses übers ganze Gesicht, von einem Ohr zum anderen, was ihr eine psychopatische Optik einbrachte. Sie wurde Circia genannt.

"Warum setzen wir dein Wunderteil nicht gleich ein, Jocasta ? " fragte sie ungeduldig.

Jocasta hatte langes dunkles Haar und war von zierlicher Statur. Sie hatte keine auffälligen Merkmale, schien aber der Kopf der Gruppe zu sein. Ihre überragende Intelligenz hatte diesen Fluchtversuch geplant. Sie kannte die Fähigkeiten der Gruppe und der Verfolger genau und war in der Lage alle Variablen einzukalkulieren. Für sie war alles ein kompliziertes Puzzle, welches es zu lösen galt. Aber mit ihren jungen Jahren und der geringen Lebenserfahrung konnte auch sie nicht alle Variablen korrekt einsetzen.

"Circia sollte den Nebel einsetzen, um unseren Fluchtweg zu tarnen. " meinte Amanda.

"Der Nebel ist nutzlos, die Queen sieht alles…" sprach Jocasta, während sie stehenblieb.

Sie drehte sich um und schaute in die Gesichter ihrer Verbündeten, die sich fragend vor ihr aufreihten. Celya lehnte sich erschöpft an einen Baum. Sie alle respektierten Jocasta, denn durch ihre überragende Intelligenz lag sie immer richtig.

"Wir hatten das doch vorher besprochen ! Wir müssen uns an den Plan halten, wenn wir nicht wieder bei ihnen landen wollen. Dieses Ding bringt uns weit weg von hier, aber zu früh eingesetzt, würde die Queen seine Spuren finden und könnte uns folgen. "

Dabei hob sie eine runde Kugel empor, die orange schimmerte und zu pulsieren schien.

Während die sieben Mädchen diskutierten, kamen ihre Verfolger näher. Ein älterer Mann folgte ihnen. Er wurde von einer Frau begleitet, die jede Optik in den Schatten stellte. Die Rainbowqueen hatte ihren Namen aus gutem Grund erhalten. Schon bei ihrer Geburt hatte sie langes Haar, welches in allen möglichen Farben erstrahlte. Jede einzelne Haarsträhne änderte in regelmäßigen Zeitintervallen seine Farbe. Aber dies war längst nicht alles. Auch ihre Pupillen änderten ständig ihre Farbe und passend zu diesen Merkmalen trug sie auch ein Kleid mit den Farben des Regenbogens. Sie blieb auf einer Anhöhe stehen und schaute gewissenhaft über das Gelände.

"Wir müssen sie unbedingt finden. Sie dürfen nicht entkommen. Unsere ganze Arbeit wäre umsonst gewesen."

Der alte Mann war sichtlich nervös, die Queen zuckte kein bißchen. Ihre einzigartige Gabe bestand darin, ihre Augen auf alle möglichen Lichtspektren einzustellen und sogar völlig unbekannte zu verwenden. Sie konnte also zum Beispiel auf Nachtsicht umschalten, einen Röntgenblick verwenden oder Illusionen entlarven. Es war ihr auch möglich magische Verstecke und Barrieren zu erkennen, die eigentlich Sachen verstecken sollen. Deshalb war es praktisch unmöglich sie abzuschütteln. Es gab keinen besseren Fährtenleser.

Inzwischen hatte sich die Lage bei den Mädchen zugespitzt. Der eigentliche Plan war gescheitert, Zickenkrieg war angesagt. Jocasta verstand nicht, warum die anderen dem Plan nicht folgen wollten, aber sie waren einfach nur Kinder. Leech, eines der anderen Mädchen hatte sich die Kugel geschnappt, was ihr nicht weiter schwer fiel, da sie ihre Zunge ausfahren konnte, ähnlich der eines Frosches. Daraufhin hatte ein Gerangel begonnen, weil jede die Kugel haben wollte. Einzig Jocasta hielt sich zurück. Sie fand das einfach nur lächerlich.

"Hört endlich auf damit, ihr werdet sie nur destabilisieren !! " rief sie laut.

Schließlich hatte Abse die Kugel in der Hand und erzeugte im gleichen Moment eine Druckwelle, die sich rasch ausbreitete und die anderen Mädchen einige Meter zurückwarf. Jetzt umhüllte sie ein bläulicher Energieschirm.

"Du hast den Schild gestohlen ?!! "fragte Veltissa entsetzt.

"Jetzt ist mir auch klar, warum die uns so hartnäckig verfolgen." sprach Celya.

"Bitte ! Gib mir die Kugel ! Du weißt nicht, was passieren kann, wenn du sie falsch verwendest. "

Jocasta hatte eine üble Vorahnung. Abse gehörte aber nicht zu jenen Menschen, die mit sich reden lassen. Ihre gestörte Persönlichkeit hatte die Mädchen schon oft in Schwierigkeiten gebracht.

"Die Kugel gehört mir !! Und ich entscheide, wie sie benutzt wird !! Du bist nicht die klügste hier und ich hasse euch alle !! Denkt ihr wirklich, ich weiß nicht, wie ihr über mich denkt !!? "

"Oh, verdammt !! Sie dreht durch. " meinte Circia.

"Das ist nicht hilfreich, Circia. Sie könnte jeden hier sonstwohin schicken, wenn sie das falsch macht. "

Jocasta versuchte vergeblich zu schlichten, denn Abse wurde nur noch mehr angestachelt.

"Ich wußte es. Du glaubst also, ich bin dämlich. "

Jocasta wußte nicht genau, was sie antworten sollte, um die Situation zu entschärfen.

"Wir hätten die Irre nicht mitnehmen sollen…" meinte Circia.

Abse hatte sichtlich Mühe sich zu beherrschen, sie kochte vor Wut. Sie war knallrot und biß sich auf die Lippe. Sie spürte einen Moment lang Verwirrtheit und hätte beinahe die Kugel fallen gelassen.

"Au !! Du Trampel bist mir auf den Fuß getreten !! " schrie Veltissa das Mädchen namens Leech an.

Abse hatte wieder alles unter Kontrolle und schaute zu Veltissa.

"Du hast tatsächlich versucht mein Gehirn zu manipulieren ? " fragte sie.

"Wieso nicht ? Allein kann man dich doch nicht denken lassen !!" erwiderte diese.

"Das wars !! Jetzt reicht es endgültig. " sagte sie und hob die Kugel vor ihr Gesicht.

Sie konzentrierte sich und zwang die Kugel ihre Energie frei zu geben. Die Kugel vibrierte stark und bekam Risse. Nebelartig strömte die Energie langsam aus der Kugel. Zwischen den Mädchen bildeten sich Spalten im Raum. Etwas lief nicht so, wie es hätte geschehen sollen.

"Nein !!! " schrie Jocasta laut auf und ging einen Schritt auf Abse zu.

Die Rainbowqueen verspürte einen starken Windhauch und erkannte mit ihren bemerkenswerten Augen die magische Signatur in ihm.

"Etwas seltsames ist da gerade vorgefallen. Komm !! " sprach sie zu Aspados und ging vor.

Gemeinsam mit dem alten Mann erschien sie wenige Minuten später am Ort des Geschehens. Ihnen bot sich ein seltsames Bild. Alle Bäume und Pflanzen in einem Durchmesser von 8 Metern waren verdorrt, als ob ihnen etwas das gesamte Leben entzogen hatte und die Mädchen waren nirgends zu sehen.

"Was ist hier passiert ? Wie konnten sie das bewerkstelligen, Aspados ?" fragte die Queen.

Der alte Mann schüttelte den Kopf. Er verstand nicht genau, was hier geschehen ist.

"Sie waren wohl klüger, als ich angenommen hatte."

"Was ist mit den Mädchen ? Sind sie tot ? "

"Ich kann dir das nicht sagen. Die Kugel hätte so nicht funktionieren dürfen, das ergibt keinen Sinn. Es scheint eine Interaktion mit einem anderen magischen Objekt gegeben zu haben. Das wäre die einzige Erklärung für das hier. Es ist völlig unmöglich vorherzusagen, was das für Konsequenzen hat. "

Die Queen drehte sich rasch zum alten Mann um, als ihr klar wird, was geschehen ist.

"Der Schild !! Sie haben den Schild !! " rief sie.

Aspados schaute sich besorgt auf dem Gelände um. Nach einer Weile bestätigte er die Vermutung der Queen.

"Es ist möglich, aber es könnte auch an ihr gelegen haben. " sagte er.

"Wenn das wahr ist, steht sehr viel auf dem Spiel. Wir haben keine Möglichkeit herauszufinden, was mit ihnen geschehen ist. Wir können ihnen nicht folgen und sie nicht aufhalten. Wir haben versagt !! " sprach sie enttäuscht.

"Diese verdammten Dämonenkinder ! Wir hätten uns nie darauf einlassen sollen. "

"Nicht alle sind hoffnungslose Fälle Aspados. Sorgen bereitet mir nur eine… " meinte die Queen.

"Wenn die Andromedakriegerin ihre volle Macht erlangt hat, ist sie praktisch nicht mehr aufzuhalten. "

Aspados machte sich zurecht große Sorgen.

"Und wir haben sie nach Amaria gebracht. " bestätigte ihn die Queen.

Jocasta in der Festung

Jocasta hatte noch nie eine Militärbasis gesehen und wenn diese hier auch recht klein war, beeindruckte der Anblick die junge Frau schon. Die dicken Mauern machten einen stabilen Eindruck und Wachen darauf sorgten für die nötige Sicherheit. Durch ein dickes Tor gelangte sie in die Festung und auf der gegenüberliegenden Seite konnte sie die riesige Zugbrücke wahrnehmen, die den Zugang zur Brücke versperrte. Es gab einige Gebäude, die unterkellert waren. So lag auch die Küche unten, um im Notfall die Zivilisten von den Kämpfen fern zu halten.

Jocasta sah sich zunächst ehrfürchtig um. Reges Treiben herrschte im Hof, denn die Krieger mußten trainieren, um fit zu sein. Sofort fiel Jocastas Blick auf einen Giganten. Mit offnem Mund starrte sie ihn an. Er lief an ihr vorbei und grüßte kurz.

"Na Püppchen." sagte er.

Jocasta schaute ihm nach. Er mußte wenigstens 2,50 Meter groß sein und wurde Rudolph genannt. Er war eine Mischung aus Mensch und Golem und war wohl ein magischer Unfall. Genau wußte es aber keiner hier. Seine Keule glich eher einem Baumstamm, als einer Keule im herkömmlichen Sinn. Neben den zahlreichen Menschen hier war er ein Highlight, aber längst nicht das einzige. Nach einer kurzen Einweisung durch Kommandant Arre ging Jocasta in die Küche. Dort saßen noch 2 weitere Personen, die schon etwas eigen waren. Ihr Blick fiel als erstes auf ein winziges Lebewesen. Es war keine 10 cm groß und hatte zwei kleine Flügel.

"Eine echte Fee. Ich hätte nie gedacht, mal eine zu Gesicht zu kriegen. " sprach Jocasta.

Vorsichtig und neugierig ging sie zu dem Tisch, an dem beide saßen, wobei die Fee eher darauf hockte. Die beiden beendeten ihr Gespräch und schauten zu der neuen. Wenn die beiden etwas gesagt haben, so hat es Jocasta nicht gehört. Sie streckte ihre Hand nach der Fee aus und spürte kurz vor Kontakt einen heftigen elektrischen Schlag.

"Au !! "schrie Jocasta auf und zuckte erschrocken mit der Hand zurück.

"Ich bin eine Fee, keine Puppe !! " sprach die Fee genervt.

Jocasta hatte ihre schmerzende Hand hastig zurückgezogen und spürte eine leichte Taubheit in ihr. Die Fee hatte einen Blitzzauber verwendet, um den Kontakt schon vorzeitig zu unterbinden.

"Du mußt Pellass verzeihen. Sie mag es nicht, einfach angetatscht zu werden. Ich bin übrigens Hasra. Und wie wirst du genannt ? "

Die junge Kriegerin war erst 16 Jahre alt und trug einen langen Zopf, mit dem sie ihre langen schwarzen Haare zusammengebunden hatte. Wie Jocasta später erfuhr, hatte Hasra Magie in ihrem Blut, eine spezielle Variante, die es ermöglichte schneller und kraftvoller zu kämpfen, als andere Menschen.

Jocasta stellte sich Pellass und Hasra vor und lernte beide in den nächsten Wochen gut kennen. Sie saßen fortan bei jeder Gelegenheit zusammen, plauderten und scherzten miteinander. Außerdem begann Hasra der schnell lernenden Küchenhilfe einige Grundtechniken für den Schwertkampf beizubringen. Die hatte anfangs Hasra oft beim Training zugesehen und schließlich darum gebeten, einige Techniken zu erlernen. In dieser Phase ihres Lebens war Jocasta sehr glücklich.

Jeder in der Festung mochte die junge Frau, die immer sehr nett und höflich war. Da sie neben Hasra die einzige Frau in der Festung war, hatte sie viele Verehrer. Wenn sie Wasser holen mußte oder Holz, fanden sich schnell helfende Hände. Rudolph hielt sich besonders gern in der Nähe von Jocasta auf. Da er mehr Nahrung brauchte als die anderen, war das eigentlich nur logisch, aber er erfand immer wieder Gründe, um in ihrer Nähe zu sein. Hasra war sehr praktisch veranlagt. Nach jedem Training mit Jocasta wurde sie geil und schnappte sich einen der Soldaten. Die magisch verstärkten Instinkte wirkten sich auch auf ihre anderen Bedürfnisse aus. Sie konnte das nicht wirklich kontrollieren. An manchen Tagen war das so schlimm, das sie gleich 2 oder 3 Männer mitnahm. Magie hat eben auch ihre Schattenseiten. Das wußte Jocasta nur zu gut.

Einige Wochen zogen ins Land und Jocasta hatte bereits einiges bei Hasra gelernt, war eine durchaus passable Kämpferin im Umgang mit dem Schwert, wenn es nötig werden würde. Eine Hasra konnte sie im Zweikampf natürlich nicht besiegen. Das hätte hier niemand gekonnt, außer vielleicht Rudolph, wenn er mit seiner Keule einen Treffer hätte landen können. Aber diese Chancen waren natürlich gering.

Jocasta lief an diesem sonnigen Morgen gerade mit einem Eimer Wasser über den Burghof und wurde von den Soldaten angemessen gegrüßt, als ohrenbetäubender Lärm an ihr Ohr drang und eine Druckwelle sie zu Boden warf. Benommen und orientierungslos hob sie ihren Kopf und sah zunächst nur Staub. Sie spürte eine kräftige Hand an ihrer Hüfte und wurde mühelos emporgehoben. Kurz darauf stand sie auf ihren Füßen.

"Geh rein !! Jetzt !! "

Rudolph hatte ihr aufgeholfen und schickte sie rein. Jocasta nickte kurz, schaute sich um und eilte los.

Die Zugbrücke war gesprengt worden und überall lagen Holzsplitter und Bretterteile herum. Während sich Jocasta ins innere begab, vernahm sie lautes Gebrüll von anstürmenden Orks.

Es war ihr nicht klar, wie die Orks die Zugbrücke sprengen konnten, ohne dabei gesehen worden zu sein. Das ergab keinen Sinn. Die Detonation war sicher irgendeine Magie, ihr aber völlig unbekannt. In der Küche sah Jocasta Pellass an der Wand hocken. Sie hatte sich ebenfalls aus dem Kampfgebiet zurückgezogen. Bei ihrer Körpergröße hätte sie gegen Orks kaum eine Chance, außerdem würden Verwundete hierher gebracht werden, wo sich die Fee in Ruhe um sie kümmern konnte. Sie konnte ihre Heilmagie ja nicht mitten in der Schlacht einsetzen.

"Alles in Ordnung bei dir ?" fragte Jocasta sie.

"Es geht so. Ich bin ganz schön aufgeregt. Das sind die Orks, oder ? " fragte die Fee sichtlich nervös.

"Ich fürchte schon."

Pellass hatte noch keine Kampfhandlung miterlebt. Jocasta schaute sich rasch in der Küche um, fand aber keine geeignete Waffe. Sie ergriff ein Küchenmesser und setzte sich zu Pellass.

"Unsere Leute werden die Orks schon abwehren. " meinte Jocasta.

Pellass schaute nach oben direkt ins Gesicht von Jocasta und bemerkte deren sorgenvollen Blick. Mit beiden Händen umklammerte sie ein Messer, welches für Orks wohl keine wirkliche Bedrohung war.

Hasra hatte den gewaltigen Krach gehört, war aus ihrem Bett rausgesprungen und hatte schnell ihre Rüstung angelegt. Sie trug keinen Helm, da er ihren Sichtbereich einschränken würde. Dafür ergriff sie zwei Schwerter. Als sie ins Freie trat, bemerkte sie das heillose Durcheinander im Hof. Die Zugbrücke lag in Trümmern auf dem Hof herum, aber noch konnten Orks nicht hineinkommen, da die Brücke ja nicht heruntergelassen wurde. Ein Graben von 3 Metern schützte die Festung noch. Pfeile regneten in den Hof und trafen gelegentlich ins Ziel, wenn auch nur selten tödlich.

"Nehmt gefälligst eure Schilde hoch !! " schrie Hasra.

Sie eilte in den Hof zu Rudolph, der seine Keule fest im Griff hatte.

"Wo ist der Kommandant ?" fragte sie ihn.

"Ich hab ihn nicht gesehen, niemand hat das. " erwiderte Rudolph.

"Sie sollen ihre Position einnehmen, ich hole Arre. " sprach Hasra und eilte schnell zum Kommandoposten. Dabei wehrte sie mit ihrem Schwert in der linken Hand scheinbar mühelos einen Pfeil ab.

Hasra eilte eine Treppe mit 5 Stufen hinauf, die über eine kleine Rampe direkt zum Sitz des Kommandeurs führte. Sie klopfte nicht erst, da sie keine Zeit verlieren wollte und riß die Tür rasch auf. Noch während sie eintrat, rief sie:

" Kommandant !! Die Orks greifen an !! "

Sie verstummte dann aber rasch, denn Arre konnte nicht kommen. Er lag am Boden, durchbohrt mit seinem eignen Schwert. Hasra schaute sich um, aber niemand war zu sehen. Ihr blieb keine Zeit, um nach Spuren zu suchen, denn die Orks würden ihr diese Zeit nicht einräumen. Also eilte sie wieder ins Freie und zurück zur Zugbrücke.

Als sie eintraf, krachte es gewaltig und eine Wolke aus Staub und Dreck kam ihr entgegen. Sie schützte ihre Augen mit dem rechten Arm bis der Wind nachließ und versuchte zu erkennen, was eigentlich passiert ist. Als der Staub sich legte, lag dort, wo der Graben war, ein neuer Übergang.

"Wie konnten die Orks so schnell eine Brücke bauen ? Das ist völlig unmöglich." sagte sie.

Es blieb keine Zeit zum nachdenken, die Horde kam.

"An die Waffen !!" schrie Hasra.

Rudolph hatte sich zur ehemaligen Zugbrücke begeben und Hasra gesellte sich zu ihm.

"Wenn du versprichst alles zu geben, dann tue ich das auch. "

Rudolph antwortete indem er ihr seine riesige Faust geballt hinhielt. Hasra ballte die ihre, beide schauten sich kurz in die Augen, und schlugen dann die Fäuste gegeneinander, aber nur mit einem schwachen Kontakt.

Die anstürmenden Orks waren zahlreich, trugen spärlich zusammengeschusterte Rüstungen und setzten Waffen ein, die keine Qualitätskontrolle überstehen würden. Rudolph trat einen Schritt vor und bildete die Speerspitze. Aufgrund seiner Kraft und Reichweite hätte sein Hieb auch Hasra übel zurichten können, weshalb sie hinter ihm bleiben mußte. Mit gewaltigen Schwingen und Schlägen bearbeitete er gleich mehrere Orks und schlug sie von der Brücke in den Graben oder einfach zu Brei.

Orks, die an ihm vorbei kamen, trafen auf Hasra. Sie war sehr flink, wich den groben Schlägen einfach aus und durchbohrte ihren Feind dann. Da sie beidhändig kämpfte, konnte sie Orks auch einfach mit einer Klinge parieren und mit der anderen töten. Die Orks kamen angestürmt und zeigten ihre mangelhafte Intelligenz deutlich. Eine Strategie gab es nicht, sie versuchten einfach jeden direkt zu durchbohren oder mit einem Hieb auf den Körper zu verletzen. Es erforderte nicht allzu viel Geschick, sie abzuwehren. Aber die riesige Übermacht würde auf Dauer die Kämpfer ermüden und schwach werden lassen.

Rudolph leistete ganze Arbeit. Da das Blut der Orks grün war, färbte sich die Brücke schnell und auch seine Keule schimmerte längst in grün. Mit jedem Hieb verteilte er mehr Blut auf der Brücke, seine Kleidung war durchzogen davon und auch Hasra hatte das Blut nicht nur an den Schwertern. Die Blutspritzer gelangten an die Rüstung, ins Gesicht und färbten allmählich auch ihre Haare.

Hasra hatte keine Pause, immer wieder attackierten sie neue Orks. Mit ihren zwei Klingen trennte sie Köpfe, Beine oder auch Arme ab. Manche Orks wurden regelrecht ausgeweidet. Der Berg der Toten türmte sich immer wieder und wenn er hoch genug war, trat ihn Rudolph einfach von der Brücke in den Graben.

Die erste Angriffswelle ebbte ab und Hasra fand Gelegenheit, sich umzuschauen. Überall kämpften ihre Kollegen gegen die Übermacht der Orks. Und nicht alle waren gut genug, um gegen mehrere Angreifer gleichzeitig zu bestehen. Die Reihen lichteten sich langsam.

"Lange werden wir das nicht durchhalten können, Rudolph !" rief sie laut.

"Was sollen wir sonst tun !?" fragte er.

Hasra dachte kurz nach, während Rudolph die letzten Orks der ersten Welle zermatschte.

"Die Brücke !! Versuch die Brücke zu zerstören !! " rief ihm Hasra zu.

Hasra rief die anderen Krieger und Ritter zu sich, denn sie brauchte alle, die noch kämpfen konnten. Rudolph brauchte keine genaueren Anweisungen. Natürlich war ihm klar, ohne diese Brücke wären die Orks vorerst abgewehrt. Er machte sich sofort an die Arbeit. Er schwang mit aller Kraft seine Keule und hämmerte sie auf die Brücke. Die Erschütterung war weithin hörbar und Hasra spürte die Schockwellen am ganzen Körper. Das Holz war dick und neu. Deshalb hatte es noch eine gewisse Flexibilität und federte ein wenig nach, so daß die Schläge von ihm gedämpft wurden. Altes Holz wäre schneller gebrochen.

Auch der Feind bemerkte die neue Strategie und schickte die zweite Welle los. Hasra eilte einige Schritte vor und rief Rudolph zu:

"Wir halten sie auf, solange wir können. Kümmere dich um die Brücke ! "

Rudolph nickte und machte weiter. Neben Hasra versammelten sich noch andere verbliebene Streitkräfte, um sie zu unterstützen. Sie alle verstanden den Plan und mußten Rudolph die nötige Zeit verschaffen.

"Keiner von uns wird überleben, wenn wir die Brücke nicht zerstören !! Haltet die Stellung !! " rief sie.

Das erste Knacken einiger Holzbretter im Hintergrund, verriet Hasra, das Rudolph voran kam. Und die zweite Welle erreichte die Frontlinie. Gemeinsam kämpfte die Einheit Seite an Seite gegen die anstürmenden Orks. Es schien kein Ende zu nehmen. In der Ferne waren Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Orks zu sehen. Hasra konnte nicht jeden Kameraden retten, immer wieder fiel einer den Orks zum Opfer.

Dann war ein deutliches Brechen von Brettern zu hören. Rudolph hatte den ersten Teil zerstört und würde nur noch ein paar Hiebe brauchen, um die Brücke vollends zu zerstören.

Ein ohrenbetäubendes Pfeifen drang an die Ohren aller kämpfenden. In der Ferne konnte man erkennen, wie verschiedene Gliedmaßen und andere Körperteile von Orks durch die Luft geschleudert wurden. Etwas kam in rasender Geschwindigkeit auf sie zu. Und es machte keinen Unterschied zwischen Freund oder Feind. Hasra hatte gerade einen weiteren Ork geköpft, als sie wenige Meter vor ihr eine riesige kreisrunde Klinge erkannte. Diese drehte sich mit hoher Geschwindigkeit und war sehr scharf. Sie schnitt alles in ihrer Flugbahn mühelos durch. Sie flog einen halben Meter über dem Boden und hatte einen Durchmesser von gut 5 Metern. Es blieb keine Zeit, um etwas zu sagen. Hasra ging sofort in den Spagat und senkte ihren Körper zum Boden. Dabei richtete sie ihren Blick ständig nach vorn und konnte so die fliegende Klinge verfolgen. Keinen Augenblick zu spät, erreichte sie ihre Position, als die Klinge über sie hinwegflog. Es wurde still. Die Klingen verstummten.

Jocasta und das Ende der Welt

Das Licht war nur schwach, aber ausreichend. Jocasta erkannte gut, was hier versteckt war. Im Zentrum des Raumes, der etwa 4 mal 4 Meter groß war, stand ein seltsames Objekt. Es hatte die Höhe eines normalen Tisches und war kreisrund. Der Durchmesser des runden Objektes betrug 2 Meter. So blieb in jede Richtung ein Gang von etwa einem Meter. Das seltsame Objekt stand auf einem sehr stabilen kräftigem Fuß. Seine Struktur glich der eines Baumstammes. Jocasta trat näher heran und schaute sich das Objekt genauer an. Auf der Oberfläche waren 8 gleichgroße Felder, die wie Tortenstücke angeordnet waren. Die wurden nicht durch einen Schnitt voneinander getrennt, sondern durch eine 2 Zentimeter breite und 5 Zentimeter hohe Kante. In jedem dieser Felder gab es eine gläserne, farbige und mit einem Handabdruck markierte Schaltfläche.

"Mmmhhh." gab Jocasta nachdenklich von sich.

Sie zögerte ein wenig und legte ihre linke Hand auf das Objekt. Es fühlte sich rauh und sehr grob an. Sie schob ihre Hand vorsichtig über das grüne Glas und tastete die Form ab. Das Glas war glatt und fühlte sich angenehm an. Sie schob ihre Hand in den nach unten versenkten Handabdruck und wartete kurz. Es geschah nichts.

"Drücken ?"

Sie schaute in alle Richtungen und drückte auf das Glas. Ein deutliches Klacken war zu hören, als sie das Glas ein Stück nach unten drückte. Sonst passierte aber nichts. Sie löste den Kontakt und ein weiteres Klacken ertönte. Das Glas war in seine ursprüngliche Position zurückgekehrt.

"Interessant."

Jocasta schaute sich die Apparatur genauer an. Es gab acht verschiedene Farben. Es waren die Farben weiß, grün, lila, braun, schwarz, rot, orange und blau zu sehen.

"Acht Farben und acht Tasten. " sprach sie nachdenklich.

Sie lief um die Apparatur und drückte eine Taste nach der anderen herunter. Immer wieder gab es ein lautes Klacken. Jocasta erreichte die weiße Taste und legt ihre Hand in den Abdruck. Noch bevor sie drückte, leuchtete diese auf. Erschrocken zuckte sie mit ihrer Hand zurück. Adrenalin schoß ihr ins Blut. Sie wartete, aber nichts passierte. Erneut legte sie ihre Hand in den Abdruck und wieder leuchtete die weiße Taste auf. Jocasta war jetzt darauf vorbereitet und zuckte nicht zurück. Sie drückte die Taste runter und lauschte dem lauten Klacken. Jetzt hielt sie die Taste gedrückt und schaute sich um. Es tat sich nichts. Sie löste den Druck und drückte noch einmal drauf. Wieder geschah nichts, was sie nicht schon kannte. Etwas verärgert drückte sie die Taste jetzt einige male schnell hintereinander. Schließlich gab sie auf.

"Wir brauchen also acht Mitspieler und wahrscheinlich nicht irgendwelche acht. Es müssen die richtigen sein. Das ist eine aussichtslose Suche. Die finde ich nie. Ich weiß ja nicht mal, wem ich suchen soll. Aber vielleicht spielen ja die Farben eine Rolle. "

Ein lautes Geräusch drang ihr ans Ohr. Jocasta wurde in ihrer Konzentration gestört und drehte ihren Kopf rasch zum Ausgang. Draußen tat sich etwas. Es klang fast so, als ob etwas vom Himmel zu Boden fiel. Mit der Apparatur konnte es aber nicht zusammenhängen, glaubte Jocasta zu wissen. Da sie im Moment nicht weiter voran kam, wollte sie nachsehen, was geschehen war.

Wieder an der frischen Luft, schaute sie sich um. In der Ferne konnte sie etwas erkennen. Eine Staubwolke hatte sich gebildet. Jocasta ging auf diese zu und bemerkte schnell einen Krater, der sich gebildet hatte und bestätigte, das etwas vom Himmel zum Boden gefallen war. Der Krater war mehrere Meter breit und einige Meter tief. Als Jocasta den Rand erreichte, erkannte sie im Zentrum ein graues Objekt.

"Wo kommst du denn her ?"

Sie blickte zum Himmel, aber da war nichts zu sehen, nicht einmal eine Wolke.

Jocasta bemühte sich ins Zentrum des Kraters. Immer deutlicher erkannte sie eine Statur. Die etwa anderthalb Meter hohe Statur war weiblich, trug eine Rüstung, und hatte schulterlanges Haar. Sie hatte keinen Helm. Die Rüstung war einfach gehalten. Sie hatte Knie- und Ellbogenschutz, einen kurzen Rock aus Streifen und einen Panzer, der nur ihre Oberweite schützte. Und all das gehörte zur Statur. Diese war komplett hellgrau mit einem leichten blauen Schimmer. Sie war bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Man konnte sogar Pupillen in den Augen erkennen und die Poren der Haut, wenn man genauer hinsah.

"Spitzenarbeit." meinte Jocasta.

Mit der rechten Hand fuhr sie über die linke Schulter der Statur, um deren Struktur zu ertasten. Es gab keine einzige Ungereimtheit, die Arbeit war makellos. Die Oberfläche war glatt und wunderschön ausgearbeitet.

Jocasta spürte ein leichtes Kribbeln in der Hand und nahm sie von der Statur. Sie schaute sich ihre Handfläche an und die war stark gerötet. Das leichte Kribbeln wurde stärker und wandelte sich zunehmend in einen stechenden Schmerz um.

"Verdammt tut das weh. " meinte Jocasta.

Sie wischte die Hand eilig an ihrer Kleidung ab, in der Hoffnung es würde helfen. Der Schmerz ließ nicht nach. Jocasta schaute erneut auf die Hand. Die Haut an der Hand begann sich zurückzubilden. Sie wurde zuerst schlapp und faltig und löste sich dann langsam Schicht für Schicht auf. Die Schmerzen wurden zunehmend heftiger und Jocasta schrie laut auf. Ihre Hand zitterte stark und kalter Schweiß bildete sich auf ihrer Stirn. Es sah beinahe so aus, als ob etwas ihre Hand auflöste.

Die Rüstung war von dem Effekt nicht betroffen und ihre Rückhand deshalb auch nicht. Obwohl die Rüstung versuchte die beschädigte Hand zu heilen, konnte sie dem Effekt nicht schnell genug entgegen wirken. Nach und nach verschwanden Teile der Haut und legten ihr Fleisch frei. Die Hand blutete nicht einmal, weil das ebenfalls angegriffen wurde. Jocasta geriet in Panik.

"Was kann ich tun ? "

Nichts deutete darauf hin, das der Effekt auf ihre Hand begrenzt bleiben würde, also könnte das auf den ganzen Körper übergreifen. Allmählich wurden erste Knochen freigelegt. Während Jocasta nur den Schmerz spürte, war es ihr nicht möglich, die Situation zu durchdenken. Sie mußte sich eigentlich von der Hand trennen, konnte aber nicht klar genug denken, um das zu erkennen.

Der Schmerz zwang sie schließlich zu Boden. Zu ihrem Glück trug sie eine magische organische Rüstung, die selbsttätig Daten sammelte und auswertete. Sie brauchte eine Weile dafür, tat aber, was getan werden mußte. Oberhalb des Handgelenks schnürte sie die Hand blitzschnell ab und trennte die Hand vom Körper. In diesem Bruchteil einer Sekunde verschwand der Schmerz und Jocasta hatte einen Stummel, der komplett von der Rüstung überzogen war.

Jocasta rappelte sich langsam auf und schaute auf ihre abgetrennte Hand. Die Rüstung des Handschuhs war schon verschwunden und die Reste ihrer Hand lösten sich nun langsam aber sicher vollständig auf. Sie war fort. Die Rüstung war aber noch nicht fertig. Mit einem angenehmen Gefühl am Stumpf, wo ihre Hand einmal war, begann die Rekonstruktion ihrer Hand. Die Rüstung hatte alle notwendigen Daten gespeichert, um diese exakt nachzubilden. Jocasta sah zu, wie sich eine neue Hand formte und schon bald bewegte sie diese, als wenn nie etwas passiert war.

"Die Rüstung beeindruckt mich immer mehr. Sie kann sogar Körperteile nachbilden. Ob sie auch den Tod heilen kann ? " fragte sie sich.

Dann fiel Jocastas Blick auf die unheimliche Statur.

"Du verdammtes Miststück !! " sprach sie.

Die Statur drehte ihren Kopf zu Jocasta, zeigte aber sonst keine Emotionen oder Reaktionen. Doch sie hatte Jocasta offenbar gehört. Die war völlig überrascht und sagte keinen Pieps. Damit hatte sie nicht gerechnet.

Jocasta ballte ihre rechte Faust, um ihr Schwert zu beschwören. Die Statur starrte nur.

"Es ist wohl besser, wenn ich dich gleich erledige, was auch immer du bist. " sprach Jocasta.

Ohne weitere Worte zu wechseln, wobei nicht klar war, ob das Objekt überhaupt reden kann, hob Jocasta ihre Klinge und haute es mit aller Macht auf dessen Kopf, um ihn zu spalten. Die Statur starrte auch jetzt nur. Jocasta spürte heftige Schmerzen in ihren Handgelenken, als das Schwert vom Kopf der Statur zurückfederte und dort keinen einzigen Kratzer hinterließ.

"Verdammt, das tat weh !" rief sie.

Sie hatte vor Schreck ihr Schwert fallen gelassen, welches sich sofort auflöste und schüttelte ihre schmerzenden Hände. Sie rieb sich die schmerzenden Handgelenke. Die Statur neigte ihren Kopf nach links und verharrte eine Weile in der Position.

"Kannst du sprechen ? Hast du dieses Land verwüstet ?" fragte Jocasta und wies mit der linken Hand in die Umgebung.

Jetzt drehte die Statur auch ihren Körper in Jocastas Richtung. Ihre Mimik änderte sich kein bißchen. Jocasta wollte unbedingt wissen, was hier vorgefallen war und wo zur Hanibis sie hier eigentlich war. Dieser Wunsch wurde auch von ihrer Rüstung wahrgenommen, die jetzt Jocasta über die Haut Informationen zukommen ließ. Dabei schüttete sie magische Partikel aus, die von der Haut Jocastas absorbiert wurden. Ihr Blut transportierte die Informationen zum Gehirn. Die Rüstung war wohl eine Art magischer Computer. Jocasta spürte, wie Energie ihren Körper durchfuhr, ein Zeichen dafür, das sich etwas tat.

"Die Zukunft. " sprach sie nach einigen Sekunden.

Jocasta kannte nicht das exakte Jahr und das war im Augenblick auch nicht so wichtig. Die Welt in der Zukunft war eine tote Welt. Sie hatte diese Info jetzt und es war klar, was von ihr erwartet wurde.

"Ich muß die Zukunft retten. Deswegen bin ich hier. " sprach sie überzeugt davon, alles verstanden zu haben.

Jocasta war durch die neuen Informationen ein wenig abgelenkt. Die Statur hatte die Worte gehört, denn es folgte sofort eine Reaktion. Es trat zwei Schritte vor und schlug mit ihrer linken Faust auf den Panzer von Jocasta. Während die durch den kraftvollen Hieb zwei Meter nach hinten geschleudert wurde, verzog das Objekt auch jetzt keine Mine.

"Da hat …mein …Panzer wohl das…. schlimmste………. verhindert." stammelte Jocasta.

Das Objekt neigte den Kopf wieder nach links. Es starrte Jocasta an, die sich mühevoll vom Boden erhob.

"Warum hast du die Welt zerstört und wo zur Hanibis kommst du her !!?" fragte Jocasta energisch.

Sie erhielt keine Antwort, denn das Objekt bewegte seine Lippen nicht einmal. Es hatte bisher auch noch nicht gezwinkert. Emotionen konnte es nicht rüberbringen.

Es drehte sich um und ging aus dem Krater. Jocasta überlegte kurz, entschloß sich dann aber trotzdem zu folgen. Sie ballte ihre Faust und beschwor erneut ihr Schwert. Sie ließ den Helm erscheinen, der sich Plättchen für Plättchen manifestierte. Gut gerüstet wollte sie einen neuen Angriff wagen. Ihr Ziel waren Arme und Beine. Sie folgte dem Objekt bis es ein paar Meter außerhalb des Kraters war und schlug dann wild mit ihrer Klinge von hinten auf die Gelenke ein. Während sie sich verausgabte, blieb das Objekt stehen und drehte zunächst nur den Kopf zu Jocasta. Es verharrte einen Moment und drehte schließlich auch den Körper. Jocasta schnaufte und es verzog keine Mine.

"Was bist du ?" fragte sie ein wenig verwirrt.

Es stellte sich mit leicht gespreizten Beinen vor Jocasta auf und hob ihren Kopf zum Himmel. Jocasta sah nach oben und konnte dort nichts sehen. Das Objekt hob die Arme und erzeugte anfangs kleine Entladungen. Jocasta schaute es an und dachte sich gerade, sie sollte etwas Abstand halten, als ein kräftiger Blitz ihre Rüstung traf und sie wieder einmal zu Boden warf. Das Objekt schleuderte jetzt zahlreiche Blitze gen Himmel und zielte dabei auf ein bestimmtes Areal, mit gigantischen Ausmaßen.

"Ich glaub es nicht. Das ist ein magisches Objekt ….und es lebt. Ein lebendes Artefakt. Wie ist so etwas überhaupt möglich ?"

Jocastas Rüstung hatte einen Brandfleck, der sich aber schnell regenerierte. Die heftige Entladung hatte auch ihre Gesichtshaut verbrannt und sie geblendet. Es dauerte einen Moment, bis ihre Rüstung diese Kleinigkeiten behandelt hatte. Jocasta stand erneut auf und schaute auf das Artefakt. Es blickte starr zum Himmel, beide Arme nach oben gerichtet und feuerte weitere Blitze ab. Jocastas Blick folgte den Blitzschlägen zum Himmel. Diese hatten ein riesiges Areal ins Visier genommen und destabilisierten die Matrix.

Jocasta glaubte unter Nachwirkungen des Blitzes zu leiden und schloß ihre Augen. Sie öffnete sie wieder und wischte sie aus, aber ihr Blick blieb weiterhin verschwommen, oder der Himmel löste sich auf. In dem Areal, welches das Artefakt anvisiert hatte, öffnete sich der Himmel langsam und gab etwas dunkles frei. Es schien eine andere Dimension zu sein. Da Jocasta aber noch nie eine andere gesehen hatte, war das nur eine Vermutung ihrerseits, aber eine durchaus realistische. Jocasta hatte keine Mittel, um das lebende Artefakt aufzuhalten, konnte nur gebannt zusehen.

Jocasta und Celya

Jocasta trat aus dem Zeittor und befand sich auf einem langen Flur eines Anwesens. Es führte eine Treppe nach unten, aber nicht nach oben, demnach war sie auf der obersten Etage. Zahlreiche Zimmertüren waren links und rechts von ihr zu sehen, aber nur in einem davon brannte Licht. Dieses Zimmer lag in ihrer Nähe. Langsam näherte sich Jocasta der Tür, die nicht geschlossen war. Flackerndes Kerzenlicht erhellte den Raum nur minimal und dennoch gut genug, um hier alles zu erkennen. Der Raum war mit einigen wenigen Schränken an den Wänden ausgestattet, in denen aber nicht viel drin war, so weit es die Regale betraf, denn hinein schaute sie nicht. Das Zimmer hatte ein kleines Fenster, durch das kaum Licht einfallen konnte. In der rechten Ecke bemerkte sie sofort ein Bett, welches keinem bekannten Standart entsprach.

Das Bett war deutlich höher. Es erreichte ihre Hüften. Jocasta trat näher und sah eine junge Frau, die darin zu schlafen schien. Das konnte Jocasta aber nicht mit Sicherheit sagen, da es kein normaler Schlaf war. Sie hatte kurze schwarze Haare und ihre Augen starrten geöffnet, aber leblos an die Decke. Ihre Haut war sehr bleich, beinahe schon kalkweiß. Ihre Hände lagen übereinander gelegt auf ihrem Körper und sie trug ein leichtes weißes Kleid. Es war sehr dünn und komplett durchsichtig. Ihre Brüste und ihre Schamhaare waren gut zu erkennen. Jocasta legte ihre Hand kurz auf den Brustkorb und spürte, das sie noch atmete. Sie lebte also noch. Aber das alles war nicht wirklich wichtig. Sie trieb in einer merkwürdigen Flüssigkeit, die dick genug war, damit sie nicht komplett versinken konnte. Ihr Gesicht war trocken, als wenn sie sich nie bewegen würde, ihr Kleid hatte sich mit der Flüssigkeit vollgezogen und lag deshalb eng an ihrem Körper an. Das betonte ihren sonst absolut nackten Körper sehr gut. Jocasta legte ihre Rüstung ab, indem sie die einfach verschwinden ließ und tauchte ihre Hand in die Flüssigkeit, spürte wie dickflüssig und ölig diese war.

"Celya hat nicht gelogen. Wir haben einen Gast, Schnucki. "

Eine Frau war ins Zimmer gekommen und als Jocasta sie hörte, nahm sie eilig die Hand aus der Flüssigkeit und drehte sich um. Die Frau trug ein langes schwarzes Kleid, welches bis zum Boden reichte und einen extrem hohen Kragen hatte, der weit über ihren Kopf ragte. Sie selbst hatte schwarze Haare und schwarze Augen, selbst ihre Lippen waren schwarz. An ihrer Seite war ein kleiner Hund, nicht größer als eine Ratte, aber mit schwarzem Fell und zwei Köpfen. Er war niedlich. Die beiden Köpfe leckten sich gegenseitig das Gesicht ab.

"Das ist Celya ? Was ist passiert ? " fragte Jocasta, während sie versuchte heimlich die Flüssigkeit an ihren Kleidern abzuwischen.

Jocasta vergaß einen Moment lang ihre Manieren, so weit sie welche hatte und stellte sich nicht einmal vor.

"Komm bitte mit runter. Wir lassen sie ruhen und reden unten ein wenig bei einer Tasse Tee. "

Sie folgten der großen Treppe nach unten. Die war nur mit wenigen Kerzen ausgeleuchtet. Überall hingen Gemälde an den Wänden. Das Anwesen schien sehr groß zu sein, hatte aber kaum Bewohner. Wohin man sah, leuchteten Kerzen. Würde man alle neu anzünden, bräuchte man wohl Stunden. Jocasta schaute sich alles genau an, folgte der netten Frau durch ein oder zwei weitere Räume und gelangte schließlich in den Hauptraum. Dort stand ein riesiger Kamin, der für viel Wärme sorgte. Es gab gepolsterte Sitzgelegenheiten und einen flachen Tisch. An den Wänden standen zahlreiche Regale, die mit Büchern gefüllt waren. Der Staubfilm darauf zeigte Jocasta, das sie schon länger keiner mehr benutzt hatte. Jocasta schaute sich die Buchtitel an, während die Herrin des Hauses den Tee vorbereitete. Sie nannte sich Fürstin Bathory von Argool. Jocasta stellte sich ebenfalls vor, während sie mit Schnucki spielen mußte. Aber Bathory kannte ihren Namen bereits.

"Celya hat dich gesehen und mir bescheid gegeben. Sie freut sich sehr über deinen Besuch. "

"Sie hat sich nicht einmal bewegt. Ist sie eine Telepathin ? " wollte Jocasta wissen.

Bathory brachte den Tee und setzte sich gemeinsam mit Jocasta an den Tisch.

"Ich würde gern wissen, was kannst du mir über eure Gefangenschaft erzählen ? " fragte Bathory.

"Wir waren sieben Waisen, die zu ihm kamen. Wir wurden dort sehr gut behandelt. Unsere verborgenen Kräfte sollten studiert werden, glaube ich. Es wurde behauptet, wir sind gefährlich. Das machte uns schon etwas stolz, aber nicht alle von uns waren wirklich eine Gefahr. Celya war immer schlapp, kraftlos und schlief 20 Stunden am Tag. Ich hab nie eine Person gesehen, die so harmlos war. Sie konnte keine einzige Mahlzeit einnehmen, ohne dabei einzuschlafen. Ich hab nie verstanden, was daran gefährlich sein soll. " antwortete Jocasta.

"Hast du schon einmal von den Wächtern gehört ?" fragte Bathory als nächstes.

"Nein, wer soll das sein ?"

"Dann weißt du nicht viel, meine Gute. Ihr wurdet belogen. Ihr seid keine Waisenkinder, wie euch gesagt wurde. Ihr wurdet entführt und verschleppt. Sie haben mir meine Tochter geraubt !! "

Bathory wurde laut und aggressiv. Jocasta war ein wenig geschockt und wußte nicht recht, wie sie reagieren sollte.

"Verzeih mir. Es regt mich einfach auf, was sie meiner Tochter angetan haben. "

Jocasta war jetzt doch ein wenig neugierig und wollte es gern genauer wissen.

"Was ist damals wirklich passiert ? Sag es mir !…Bitte !" sagte Jocasta.

Bathory trank einen Schluck Tee, lehnte sich zurück und erzählte.

"Ich war noch sehr jung und gebar eine gesunde Tochter. Es war der schönste Tag meines Lebens. Jedenfalls für ein paar Stunden. Bis sie vor meiner Tür standen. Die Wächter hatten wohl eine Prophezeiung oder so ähnlich erhalten. Sie sagten nicht einmal warum. Sie nahmen sie einfach mit."

Mit zittriger Stimme und Tränen in den Augen verfluchte sie die Wächter.

"Haben alle von uns eine Mutter und lebt meine noch ?" wollte Jocasta wissen.

Bathory wischte sich kurz die Tränen aus den Augen und schniefte zweimal. Mit erröteten Augen zwang sie sich ein Lächeln auf.

"Das kann ich dir nicht sagen. Ich habe meine Tochter 8 Jahre gesucht. Ich habe die Künste der dunklen Magie studiert, um mit deren Hilfe meine Tochter zu finden. Ich konnte einiges in Erfahrung bringen. Viele Mädchen wurden von den Wächtern verschleppt, manche angeblich sogar aus anderen Welten. Sie wurden getestet oder Experimenten ausgesetzt. Das ist nicht so genau herauszufinden. Die Informationen sind zu wage. Die meisten kamen dann aber wieder heim. Die Suche der Wächter lief sogar noch, nachdem ihr sieben abgeliefert worden seid. Angeblich suchten sie wohl noch ein achtes Kind, konnten es aber nicht finden."

Bathory wurde nachdenklich. Jocasta kurbelte das Gespräch wieder an.

"Dann haben die dunklen Künste dir geholfen, sie zu finden ?"

"Nein. Sie lag eines Tages einfach vor meiner Tür."

Bathory rannen immer wieder Tränen aus den Augen und sie mußte ständig schniefen.

"Hast du keine Angst, das sie wiederkommen könnten ? " fragte Jocasta.

"Ich habe die Menschenwelt längst verlassen. Niemand findet mich hier, jedenfalls nicht auf die normale Art."

Fürstin Bathory schaute traurig auf den Boden.

"Als ich sie fand… im Regen… vor dem Haus, weißt du was sie sagte. Es waren die einzigen Worte, die sie mir in der ganzen Zeit ins Gesicht sagen konnte. Sie sagte… Danke Jocasta und Mutter. Das sagte sie, als ich sie fand und sie in meinen Armen einschlief. Sie schlief ein und wachte seitdem nicht mehr auf oder nur sehr kurz. Endlich war sie in Sicherheit. Ich mußte ich einen Weg finden, um sie zu ernähren, weil sie nicht in der Lage ist selbst zu essen. Was ist das denn für ein Leben ? "

"Diese Flüssigkeit. Das ist genial." fuhr Jocasta dazwischen.

"Ich habe mein Leben dem Studium der Finsteren Magie verschrieben. Es ist das einzige, das mir Hoffnung gibt, sie wieder ins Leben zurückzuholen. "

"Verzeih, wenn ich mal unterbreche. Aber du sagtest vorhin, Celya sprach mit dir. Wie hat sie das getan, wenn sie doch ständig schläft ? "

"Celya wurde nicht grundlos immer schwächer. Immer wenn ihre Augen schwarz aufleuchteten, erschien sie als Geist oder einer Art Projektion vor mir. Sie taucht in meinen Träumen auf und wir reden stundenlang. Was auch immer sie ihr angetan haben, es drängt sie aus ihrem eigenen Körper und ich kann ihr nicht helfen. Wenn Celya diese Welt verläßt und nicht wiederkehrt, dann ….."

Jocasta hatte Mitleid mit der Mutter von Celya, aber sie konnte ihr nicht helfen. Sie konnte nicht ahnen, das Bathory beim Studium der dunklen Künste interessante Dinge herausgefunden hatte und einen Plan verfolgte, der ihr Celya zurückbringen sollte. Und die Konsequenzen waren ihr dabei völlig egal.

"Es wird zeit, Jocasta. " sprach sie plötzlich und stand auf.

"Zeit ? Wofür ?" fragte Jocasta überrascht.

"Celya will natürlich mit dir sprechen. Hast du geglaubt, das sie sich diese Gelegenheit entgehen läßt ?"

"Ich hab gedacht, das wäre nicht möglich."

"Ich habe Celya jetzt 7 Jahre hier. Denkst du wirklich, wir hätten keine Möglichkeit erarbeitet, um jederzeit miteinander reden zu können ? Sie kann nicht aufwachen, aber deshalb ist ja schließlich nicht tot."

"Wenn ich in eurer Lage gewesen wäre, hätte das sicher Priorität gehabt. " bestätigte Jocasta.

Bathory nickte zustimmend.

"Bleib sitzen und mach es dir bequem. Du wirst bald eine gewisse Müdigkeit verspüren. Der Tee enthält eine spezielle erprobte Kräutermischung. Du brauchst dich nicht unnötig zu Sorgen. Ich verwende sie selber so oft, wie es mir möglich ist. Entschuldige mich jetzt, ich hab in der Zwischenzeit noch etwas anderes zu erledigen."

Bathory verließ kurz darauf den Raum und Jocasta spürte wenig später, wie etwas auf ihre Augen drückte und sie schließlich schloß.

Schnucki folgte seiner Herrin. Während Jocasta einschlief, leuchteten die Augen Celyas schwarz auf. Bathory bemerkte das schwarze Leuchten, während sie die Treppe hinaufging. Ein müdes Lächeln zierte ihr Gesicht.

"Vielleicht findet deine geniale Freundin eine Lösung. " meinte sie nur.

Jocasta kam auf einer Bank sitzend zu sich. Sie wußte das es nur ein Traum war, aber er fühlte sich sehr real an. Sie trug ein süßes kurzes Kleid, welches sie wohl nie anziehen würde. Die Bank stand an einem kleinen See. Es waren nur ein paar Schritte bis zum Wasser. Das Gewässer war sehr still. Man konnte gut die Grillen zirpen hören. Verschiene fliegende Insekten flogen über dem Gewässer herum. Umgeben waren See und Bank von einem märchenhaft schönen Wald. Die Bäume waren alle gesund und trugen saftige grüne Blätter. Zu ihren Füßen wuchsen Blumen aller Sorten und ihre Blüten leuchteten in allen Farben des Regenbogens. Bienen flogen von Blüte zu Blüte, kleine Hasen hoppelten durch den Wald. Die Sonne prasselte herunter und fühlte sich gut auf der nackten Haut an. So könnte das Paradies aussehen. Jocasta fühlte sich berauscht vom Anblick des Areals. Die beruhigende Wirkung tat ihr gut.

"Ich mag diesen Ort sehr." sprach jemand zu ihr.

Links von Jocasta hatte Celya Platz genommen. Sie sah genauso aus, wie die junge Frau, die Jocasta in dem Bett vorgefunden hatte. Sie hatte deutlich mehr Farbe, als das Original und trug passend zur Umgebung ein buntes Blumenkleid. Es stand ihr hervorragend. Sie war nicht wirklich fröhlich, gab sich aber Mühe diesen Eindruck zu vermitteln.

"Hallo Celya. Wie geht es dir ? " fragte Jocasta.

Celya zuckte mit den Schultern und wackelte nervös auf der Bank herum. Sie hatte nicht viel Kontakt mit der Außenwelt und anderen Menschen. Sie schaute Jocasta nicht in die Augen, sondern auf den kleinen See und wirkte traurig.

"Ich würde gern herumtollen, meine Mutter in den Arm nehmen können, die Tiere des Waldes streicheln oder einfach nur mit dem Hund spielen, aber ich kann nicht…"

"Es macht mich traurig das zu hören. Deine Mutter arbeitet schon lange an dem Problem. Sie wird dir sicher irgendwann helfen können. "

"Meine Mutter…." sprach Celya leise und nachdenklich.

"Sie arbeitet schon seid meiner Ankunft an dem Problem. Ich hab nach einem Jahr erkannt, das sie nie eine Lösung finden wird, würde es ihr aber niemals sagen. Sie ist eine gute Mutter. "

"Ich habe nie darüber nachgedacht, wie es dir in dieser Situation geht. Das tut mir leid. Aber ich werde selbst ein paar Nachforschungen machen und vielleicht finde ich eine Lösung. "

Jocasta schaute nachdenklich auf den See. Sie hob den Kopf, drehte ihn, rückte näher zu Celya und nahm sie bei den Händen. Sie blickte der gequälten Seele in die Augen.

"Nein, ich werde nicht nur vielleicht eine Lösung finden. Ich verspreche dir hiermit, das du eines Tages wieder in der realen Welt herumlaufen wirst ! Ich finde eine Lösung !! " versprach sie schließlich.

Celya fuhr mit ihrer linken Hand über die Wange von Jocasta. In ihren Augen sammelte sich Tränenflüssigkeit. Sie rannen schließlich aus beiden Augen. Celya zwang sich ein Lächeln auf.

"Es ist schön, dich noch einmal zu sehen, auch wenn es nur im Traum ist. Die Dunkelheit ergreift immer mehr Besitz von meinem Körper. Ich wird immer schwerer, wieder in die Hülle zurück zu kehren. Ich spüre, wie ich meinen Körper verliere. Es ist nett, das du mir helfen willst, aber ich fürchte, die Zeit läuft ab. "

Für Jocasta klang das nach einem Abschied. Celya glaubte wohl fest daran, das sie Jocasta in der echten Welt nicht mehr zu Gesicht bekommen würde.

"Hast du das deiner Mutter schon erzählt ? "

"Das kann ich nicht. Sie würde zerbrechen… "

"Vielleicht weiß sie es ja schon. Sie studiert die dunklen Künste." meinte Jocasta.

"Ich weiß, das sie etwas plant. Sie sagt mir nicht, was es ist. Vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Das einzige, was ich in meinem Leben hatte, war Hoffung. Und ich will nicht mehr hoffen…"

Die Umgebung veränderte sich jetzt. Celya beeinflußte den Traum und konnte den Ort jederzeit wechseln. Aus dem ruhigen Idyll wurde ein dunkler kalter Ort. Eine riesige Halle erschien. Die Kleider waren unpassend hier, aber Celya änderte sie nicht. In der Halle standen 7 Stühle um einen runden Tisch herum. Sonst war die Halle leer. Es gab keine Fenster und kein Licht, aber die Halle war hell. Das Areal war noch nicht fertiggestellt.

"Ihn nenne ihn den Raum der Schatten. Er wird noch besser aussehen, wenn ihr erst alle hier seid. "

Celya wirkte etwas gelassener, aber ihr trauriges Erscheinungsbild blieb.

"Wie meinst du das ?" wollte Jocasta wissen, die erst etwas später die komplette Aussage verarbeitet hatte.

"Ich werde hier einziehen, wenn ich meinen Körper verlassen muß. Und nach und nach, wenn ihr die Welt verlaßt, hole ich euch hierher. Wir werden wieder zusammen sein. " sprach Celya.

Was Celya von sich gab, war völlig absurd. Doch Jocasta konnte und wollte ihr nicht die Illusion rauben. Sie nahm Celya in die Arme. Diese weinte einfach nur.

"Versuch durchzuhalten ! Ich komme wieder, mit einer Lösung ! "

Im nächsten Moment erwachte Jocasta. Celya hatte den Kontakt beendet. Dicke Tränen rannen aus den Augen und Jocasta konnte sich nicht mehr beherrschen. Sie weinte bitterlich. Bathory hörte die weinende Jocasta und ging zu ihr hinunter , um mit ihr zu sprechen. Aber als sie diese weinend sitzend sah, kamen ihr selbst die Tränen. Sie verließ den Raum wieder. Wenig später hörte Bathory die Haustür. Jocasta war gegangen, ohne sich zu verabschieden.

Fürstin Bathory von Argool trat an das Bett ihrer Tochter. Sie fuhr mit ihrer Hand über das schlafende Gesicht.

"Sie wird eine Lösung finden. Und wenn nicht…"

Sie entfernte sich vom Bett und ging zum Schrank gegenüber. Sie öffnete die Türen.

"…gibt es andere Mittel und Wege."

Hinter den Türen gab es einen Schrein. Die Kerzen entfachten sich beim öffnen der Türen automatisch. Auf dem Brett standen 5 Sockel, die eine spezielle Halterung hatten. Vier der fünf Sockel waren leer. In einem stand ein Zepter. Das Zepter war etwa einen halben Meter hoch und schwarze Schatten kreisten um die Spitze.

"Ich werde die fünf Dämonenzepter finden… "

Jocasta eilte vom Gelände. Sie hatte immer noch Tränen in den Augen, als erst goldene Plättchen in der Luft aufleuchteten. Sie beschwor ihre Rüstung und nach dem langwierigen Ritual wurde sie zornig.

"Warum !!? Wieso muß jede von uns so leiden !!? "

Das große Wiedersehen

Veltissa war aufgetaucht. Sie war ein wenig überrascht, da sie hierher gezwungen wurde, aber Circias Probleme hatten sie schnell wieder beruhigt. Sie kam näher.

"Man bist du schön. " sprach Amanda erstaunt zu ihr.

Veltissa trug ein rotes Kleid. Ihre sehr langen Haare hatten die gleichen Farbe. Sie war eine strahlende Persönlichkeit. An den Händen trug sie weiße Handschuhe.

"Was ist mit Circia ? " fragte Jocasta.

"Nun mein Herzchen, da draußen tobt die Schlacht der Waffen. Sobald ein Träger einer legendären Waffe stirbt, sucht die sich einen neuen Herrn oder eine neue Herrin." erklärte Veltissa.

"Dann bekommt Circia echt eine legendäre Waffe !? " fragte Celya nach.

"Ja, dem ist wohl so. " sprach Veltissa.

"Da du dich damit offenbar gut auskennst, hast du das wohl schon mal gesehen ? " fragte Amanda neugierig.

"Ich vermute mal, nicht nur gesehen. " meinte Jocasta.

Veltissa lächelte nur und zwinkerte Amanda zu. Inzwischen hatte sich Circia erhoben. Sie spürte eine neue Macht in ihrem Körper. Sie schaute auf ihre Hände und zitterte noch ein wenig.

"Willkommen im Club. " sprach Veltissa und umarmte sie.

Damit war diese Frage endgültig geklärt.

"Ist ja mal eine nette Versammlung hier. Warum werde ich nie umarmt. " rief eine weitere Frau.

Leech war durch die Tür gekommen. Sie hatte das plötzliche Verschwinden von Veltissa bemerkt, sie sofort gesucht und hier gefunden.

"Was genau läuft hier eigentlich ? " fragte Veltissa.

"Das ist kompliziert. " sprach Jocasta.

Sechs der sieben Mädchen waren wieder vereint. Sie alle schienen sehr glücklich zu sein in diesem Moment.

"Leech war hier, als ich dich besucht hatte, oder ? " fragte Jocasta.

"Du meinst wohl untersucht, Herzchen. "

Ein charmantes Lächeln zierte ihr makelloses Gesicht. Stille und Verlegenheit herrschten vor. Celya schaute Jocasta lächelnd an, sie hatte verstanden.

"Was meint sie damit ? " wollte Amanda wissen.

"Sie haben es miteinander getrieben ! " sprach Circia direkt und ohne Umschweife.

Jocasta lief rot an, Veltissa schien das nicht zu kümmern. Sie ging zu Amanda und küßte ihr auf die rechte Wange.

"Das wirst du eines Tages verstehen, Herzchen. " sprach sie danach.

"Könnte mir jetzt mal jemand erklären, was hier eigentlich los ist ? " fragte Leech genervt.

Jeder begann Leech mit unnützen und nützlichen Informationen zu überhäufen. Sie verstand kein einziges Wort.

"Sie war eine Gefangene der Elfen. Ich konnte dir nicht folgen, ihretwegen. "

Veltissa hatte sich derweil zu Jocasta begeben und ihr kurz und bündig erklärt, was die wissen mußte.

"Wenn du mir etwas gesagt hättest, wäre sie jetzt vermutlich tot. "

"Du verstehst also. " meinte Veltissa und küßte nun auch Jocasta, aber nicht auf die Wange, sondern auf den Mund. Die erwiderte den Kuß, während die anderen miteinander kommunizierten.

"Ich habe dich vermißt. " sprach Veltissa flüsternd.

Veltissa klatschte danach kräftig in die Hände und bat um Ruhe. Es dauerte einen Moment, aber endlich kehrte Ruhe ein. Dann bat sie Jocasta darum, zu erzählen. Jocasta wiederholte ihre Geschichte und so erfuhren auch Leech und Veltissa in groben Zügen, um was es ging.

"Du hast also jeden, den du besucht hast, wieder eingesammelt. Wie wir gesehen haben, betraf das nicht Leech, da du sie nie gesehen hast. Das bestätigt eure Vermutung auf jeden Fall, erklärt aber nicht, was genau hier los ist. " faßte Veltissa danach zusammen.

"Vom sehen allein, kann das auch nicht kommen. " meinte Circia.

"Vielleicht hat sie es mit allen getrieben. " meinte Amanda mit einer kindlich naiven Art.

Sie wußte nicht einmal wovon sie da sprach. Dennoch löste es bei Jocasta eine Reaktion aus.

"Das ist es !! " rief sie laut, so daß es noch lange nachhallte.

"Ich bin mir sehr sicher, das wir es nicht miteinander getrieben haben. " meinte Circia.

"Hast du meinen schlafenden Körper etwa geschändet ? " fragte Celya.

"Jetzt werdet mal wieder sachlich ! " sprach Jocasta ein wenig verärgert.

Nachdem sich alle wieder etwas beruhigt hatten, erklärte Jocasta, was sie vorhin eigentlich sagen wollte.

"Ich habe jeden von euch berührt, während ich die Rüstung trug. Das ist die Verbindung nach der wir suchen. "

"Sicher ? " fragte Leech.

"Veltissa traf ich zuerst und sie umarmte mich während wir Tee tranken. Circia berührte ich mit dem Schwert in der Hand, als ich sie fand. " erinnerte sich Jocasta.

"Ja, sie hat sie mir in die Muschi geschoben ! " fuhr Circia dazwischen.

"Was ist eine Muschi ? " fragte Amanda nach.

"Das ist eine Waffe und sie wird nur von Frauen benutzt. " erklärte Leech und schüttelte den Kopf.

Jocasta fuhr fort.

"Danach gelangte ich zu Celya. Sie berührte ich in ihrem Bett und nein, es war nicht zwischen ihren Beinen ! "

Wieder mußten einige lachen. Es war schon ein seltsames Frauengespräch.

"Amanda fand ich im Wald und packte sie am Arm. Also ja, ich habe alle berührt, während ich die Rüstung trug, oder zumindest, wie bei Circia geschehen, einen Teil davon. "

Damit endete schließlich ihre Beweisführung. Ob sie etwas taugte, war nur schwer zu überprüfen.

"Nehmen wir also mal an, das diese Berührungen uns markiert haben und uns wieder vereinten. Die Frage bleibt aber immer noch, wie das ganze ausgelöst wurde und wohin das führen wird. " sprach Celya.

"Wie auch immer das endet, es hat nichts mit mir zu tun. " meinte Leech.

Veltissa blieb stehen. Sie hatte eine Idee.

"Berühr doch Leech einfach mal. Es würde mich interessieren, ob sie dann auch mitgerissen wird. "

"Das ist keine gute Idee. " meinte Leech ängstlich.

"Ich würde sie nur ungern in Gefahr bringen. " meinte Jocasta.

"Wir gehören alle zusammen. Was auch immer hier geschieht, es betrifft uns alle. Wir sollten es versuchen. Wir wissen nicht, was auf uns zukommt und können jede Hilfe gebrauchen, die wir kriegen können. " sprach Circia.

"Was genau kommt denn auf uns zu ? Wissen wir das ? " fragte Veltissa.

"Wie viele Portalreisen erwarten uns noch, Jocasta ? Wie oft hast du es verwendet, bevor du uns aufgesucht, gerettet oder gefunden hast ? " wollte Celya wissen.

Jocasta wußte die Antwort genau.

"Nur zwei mal hatte ich es vorher verwendet. Einmal, um dem Kampf mit dem Artefakt zu entrinnen und einmal, als ich es zum ersten mal traf. "

"Wenn ich das also richtig verstehe und wir uns nicht irren, dann werden wir mit dem letzten Sprung bei dem lebenden Artefakt stranden. Die Welt dort ist bereits tot und das Artefakt hätte dich beinahe ermordet. Wir blicken einem schrecklichen Tod ins Auge und haben keine Ahnung, ob wir jemals wieder von dort weg kommen. " meinte Leech.

"Ja, so in etwa könnte es sein. " bestätigte Jocasta.

Leech trat mit ernster Mine vor Jocasta. Plötzlich setzte sie ein breites Grinsen auf und drückte Jocasta herzlich.

"Dann bin ich doch dabei, wenn ich darf. Das wird sicher ein Spaß ! "

Diese Reaktion hatte Jocasta nun nicht gerade erwartet. Aber da Leech sie persönlich berührt hatte, war dieses Thema vom Tisch. Sollte es nur an der Berührung liegen, würde Leech also mitkommen. Aber ihnen war immer noch nicht klar, warum das alles passierte und was es eigentlich ausgelöst hatte.

"Warum ist Abse eigentlich nicht mit von der Partie ? Ich kann nicht verstehen, warum sie als einzige von uns nicht dabei sein wird. " sprach Circia.

"Ich finde das auch ein wenig seltsam. " meinte Jocasta nachdenklich.

Sie schaute dabei zu der etwas verlegen wirkenden Amanda. Kaum hatte Circia das Thema angesprochen, wurde sie ungewöhnlich zapplig und versuchte sich zu beschäftigen. Sie fuhr mit ihrem rechten Fuß über den Boden, als würde sie im Sand spielen.

"Sie verhält sich schon sehr seltsam. Ich denke, sie weiß etwas. " flüsterte ihr Veltissa ins Ohr.

"Da besteht kein Zweifel. Aber wie locken wir die Informationen heraus, ohne sie zu verärgern ? "

Veltissa stellte sich direkt vor Jocasta und legte die Hände auf deren Wangen.

"Herzchen, ich mach das schon. " meinte sie mit einem hypnotischen bezaubernden Blick.

"Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. " meinte Jocasta.

Veltissa war die Meisterin der Manipulation und Verführung. Wenn jemand Amanda zum reden bringen würde, dann sie. Sie begab sich zu Amanda und hob sie mit ihren Armen hoch. Das sah schon recht anstrengend aus, da Veltissa mit ihren 1,50 Meter selbst wie ein Kind wirkte. Sie legte ihr Gesicht an das von Amanda und begann mit ihr ein wenig zu kuscheln.

Leech fuhr mal eben ihre Zunge aus, wickelte sie um einen der Stühle am anderen Ende der Halle und holte ihn heran. Dabei vermied sie es ihn auf dem Boden aufkommen zu lassen. Sie wollte Veltissa nicht bei ihrer Arbeit stören. Sie stellte den Stuhl hinter ihr ab und gab ihr leise zu verstehen, das sie sich setzen solle. Für Veltissa war es eine sichtliche Erleichterung. Sie konnte sich setzen und nahm Amanda auf ihren Schoß. Sie konnte nun voll konzentriert die richtigen Fragen stellen, ohne Amanda zu verärgern. Dabei streichelte sie deren Haare, ihr Gesicht, küßte sie immer wieder und begann sogar damit ihr Zöpfe zu flechten. Das alles dauerte natürlich eine ganze Weile.

"Ich geh mal zu ihr. " sprach Jocasta ungeduldig.

"Nein, wirst du nicht. " sprach Circia und hielt sie am Arm fest.

"Jocasta, du weißt so gut wie wir, das Veltissa mit ihrer Art und Weise immer kriegt, was sie will. Du könntest ihre ganze Arbeit zunichte machen, wenn du eine falsche Frage stellst. " meinte auch Celya.

Während sich die Mädels über andere Themen unterhielten, machte Veltissa ihre Arbeit. Schließlich sprang Amanda auf und tollte vergnügt herum. Veltissa war fertig. Sie schaute noch einen Moment nach der kleinen und erhob sich vom Stuhl. Dann kam sie zu den Frauen.

"Danke für den Stuhl, Leech. Sie wurde mir dann doch langsam ganz schön schwer. "

"Du bist ja auch nicht gerade ein Kraftpaket. " meinte Circia.

Veltissa lächelte charmant wie immer.

"Was konntest du erfahren ? " fragte Jocasta ungeduldig.

"Es gibt gute und weniger gute Nachrichten. Abse ist im gewissen Sinn bei uns. Amanda hat sie wohl kurz nach unserer Flucht gefunden und sich ausgeborgt, wie sie es so niedlich umschrieben hat. "

"Das ist gut. Dann kann sie Abse freigeben und wir können auf ihre Hilfe zählen. " meinte Celya.

Veltissa schüttelte langsam den Kopf.

"Ich fürchte, da kommen wir dann zu den weniger guten Nachrichten. "

"Ich nehme mal an, du hast dir das mit ihren Fähigkeiten mal etwas genauer erklären lassen, sofern sie selbst überhaupt versteht, wie das funktioniert. " sagte Leech.

"Ja, das hab ich. "

Veltissa schaute sich kurz um. Sie sah nach der kleinen, die voller Freude herumrannte. Die immer wieder in der Stadt auftretenden Beben schienen sie nicht zu stören.

"Okay, dann klär uns mal auf ! " sprach Circia.

"Wenn Amanda sagt, sie borgt sie sich, bezieht sie sich auf die Fähigkeiten, der verschlungenen Personen. Sie kann alle Fähigkeiten, die ihre Opfer können, als wären es ihre eigenen. Aber sie kann die Fähigkeiten nicht mehr ausüben, sobald sie die Personen freigibt. "

"Das wäre nicht schlimm. Abse kann dann ihre Fähigkeiten selber einsetzen. " meinte Leech.

"Ich glaube, Veltissa versucht uns gerade zu erklären, das dies nicht funktionieren wird. " meinte Jocasta.

"Genau, Herzchen. Amanda konnte sich nicht so genau ausdrücken oder hatte selbst Schwierigkeiten damit, es zu verstehen, aber die freigegebenen Personen verschwinden einfach. Sie kehren wohl an ihren Ursprung zurück. Das ist wohl Teil der Magie, sorgt dafür…" versuchte Veltissa zu erklären.

"… das man sich an nichts erinnert. Man liegt, wo man gewesen ist und glaubt an einer Art Amnesie zu leiden. Niemand sucht dann nach einer Hexe, weil es für eine Krankheit gehalten wird. Diese Magie ist beeindruckend gut durchdacht. " fuhr Jocasta dazwischen.

"Wenn das Artefakt so stark ist, wie du sagtest, dann brauchen den Schild ! " meinte Circia.

"Und wenn Abse nicht zur Verfügung steht, muß Amanda das tun ! " meinte Jocasta.

"Ich bitte euch. Ihr könnt doch nicht einer achtjährigen unsere gesamte Verteidigung anvertrauen ! Das ist Wahnsinn ! " widersprach Leech.

"Aber darauf läuft es doch hinaus. Es wird ohne sie nicht funktionieren. " meinte Leech.

"Du hast dich mit ihr unterhalten, Veltissa. Was meinst du ? Kann sie dem Druck standhalten ? "

Celya fragte die einzige, die das anhand ihrer Fähigkeiten hätte einschätzen können. Veltissa setzte ihr sonst so charmantes Lächeln ab und blickte ernst zu den anderen Mädels. Diesen Gesichtsausdruck würden sie so schnell nicht wieder zu Gesicht bekommen.

"Sie wird das schaffen, aber nur wenn wir alle dahinterstehen. " flüsterte sie.

"Ihr überseht alle das wesentliche ! Sie ist erst acht, verdammt noch mal !! Sie kann unmöglich die benötigte Energie zur Verfügung stellen, die dafür nötig wäre. Wir reden hier immerhin von einem langanhaltenden Effekt, denn ein kurzzeitiger Einsatz des Schildes wird kaum ausreichen !! " sprach Circia energisch.

"Die benötigte Energie wird vorhanden sein. " meinte Jocasta nur.

Wie der Kampf mit dem lebenden Artefakt abläuft, erfahrt ihr natürlich im entsprechenden Buch.

Im zweiten Buch wird die Reise der Amazone Orchidalia erzählt. Die hier abgebildeten Abschnitte sind nicht vollständig, werden teilweise auch noch etwas geändert und sind völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Sie sollen euch nur zeigen, was euch in dem Buch erwarten wird.

1.Orchidalia trifft Vision:

Sie hatte eine Weile nichts mehr gegessen und verspürte großen Hunger. Deshalb näherte sie sich dem Baum, um einige Äpfel zu genießen. Schnell war sie auf den ersten Ast geklettert und hatte ihren ersten Apfel gepflückt. Der Apfel schmeckte herrlich. Orchidalia hatte einen riesigen Hunger und aß einen Apfel nach dem anderen. Die relativ großen Abfälle warf sie zu Boden, so hatten auch die Insekten etwas davon.

„Wie hast du das gemacht !? " fragte sie plötzlich eine junge Frauenstimme.

Orchidalia erschrak. Sie hustete vor Schreck das Stück Apfel wieder aus und drehte sich um. Sie hatte in ihrer Eile übersehen, das über ihr ein junges Mädchen saß. Dieses hatte der jungen Amazone neugierig zugesehen. Sie hatte kurzes braunes Haar, welches ihr bis zum Nacken reichte. Sie trug ein weißes Kleid, welches keine Ärmel hatte, bis zu ihren Knöcheln reichte und durch einen schicken gelben Gürtel in Hüfthöhe komplettiert wurde. Ihre Füße waren zierlich und verschmutzt, denn sie trug keine Schuhe.

„Wie hast du das gemacht ?" fragte sie erneut.

Dabei kletterte sie zu der Amazone herunter und setzte sich neben sie. Orchidalias Blick fuhr zuerst auf die Brüste des Mädchens, deren Oberweite etwas fülliger war. Erst danach schaute sie ihr ins Gesicht. Orchidalia blickte in die tiefschwarzen Augen, sie hatten keine Pupillen. Die junge Frau war offensichtlich blind und hatte in etwa ihr Alter. Orchidalia wedelte kurz mit ihrer Hand und dem darin befindlichen Apfel vor den Augen des Mädchens herum. Natürlich konnte sie keine Reaktion erkennen.

„Ich kann sehen !! " rief sie etwas erzürnt.

„Wie ist das möglich ? " fragte Orchidalia.

„Du zuerst. Wie hast du das gemacht ? " fragte sie erneut.

„Ich hab ihn gegriffen, daran gezogen und hinein gebissen." sagte Orchidalia.

„Was?" fragte das Mädchen.

Orchidalia konnte den Blick nicht von den Augen des Mädchens abwenden und hob den Apfel hoch. Während sie ein Stück abbiß und kräftig kaute, wedelte sie vor den Augen des Mädchens damit herum.

„Nicht der Apfel !! Die Barriere !!! " rief das Mädchen und wies mit der Hand nach Arbekta.

Orchidalia hatte solche Augen noch nie gesehen und konnte ihren Blick nur schwer lösen. Langsam drehte sie den Kopf zur Stadt, ohne zu ahnen, was sie jetzt zu sehen bekommen würde. Über der Stadt lag etwas, das wie eine riesige Glaskuppel aussah. Sie hatte die komplette Stadt eingeschlossen. Die magische Barriere war rosarot und trotzdem durchsichtig. Bei genauerer Betrachtung erkannte Orchidalia in der Struktur Fluktuationen. Das Kraftfeld arbeitete ständig, es pulsierte. Die Funktion der Barriere war ihr zunächst nicht klar. Der Energieaufwand für die Erschaffung eines so großen Feldes mußte enorm sein.

„Dein Blick sagt mir, das du die Barriere noch nicht gesehen hast. Ich verstehe nicht, wie du sie übersehen konntest. Die kann man doch gar nicht übersehen. Immerhin bist du direkt hindurch gelaufen. "

Orchidalia hörte dem Mädchen nicht weiter zu. Sie ließ alle Äpfel, die sie bereits gesammelt hatte, zu Boden fallen, sprang vom Ast und rannte zu der Barriere. Das junge Mädchen schüttelte etwas genervt den Kopf und folgte ihr. Nach wenigen Sekunden standen sie vor der Barriere.

„Als ich Arbekta verließ, war keine Barriere da. " sagte Orchidalia.

„Das kann nicht sein, diese Barriere gibt es schon ewig." meinte das Mädchen.

Orchidalia erinnerte sich. Sie hatte bereits vermutet durch die Zeit gereist zu sein. Doch diese hatte sie offenbar weiter in die Zukunft gebracht, als sie es für möglich gehalten hatte.

„Welches Jahr haben wir ?"

„Welches Jahr !? Hast du was eingenommen ? Sollte ich von irgendwelchen Erkrankungen wissen ? "

„Sag es mir einfach. Bitte ! " sprach die nachdenkliche Orchidalia.

Starr blickte sie das Mädchen an. Die verschränkte ihre Arme und trat ein paar mal mit der linken Ferse auf den Boden. Sie war natürlich sehr neugierig und platzte schließlich mit der Antwort heraus.

„5012 ! " sagte sie.

„Dann bin ich über 3000 Jahre gereist…" sprach Orchidalia etwas erschrocken.

„Gereist ? Woher ? Wie ? Warum ? Erzähl schon ! " sprach das Mädchen jetzt neugierig.

Orchidalia erzählte dem Mädchen von ihrer Zeitreise und den Gründen dafür. Das junge Mädchen hörte sich die Geschichte an und erklärte ihr dann, das die Barriere mindestens 3000 Jahre alt wäre. Außerdem würde sie sogar unter der Erde existieren, denn es wurde natürlich versucht, hineinzukommen. Viele Magier aller möglichen Rassen kamen und gingen, um sich das Problem anzusehen. Niemals fand einer eine Lösung für das Problem. Vermutet wurde auf jeden Fall ein Artefakt innerhalb der Barriere, welches das Kraftfeld speist.

„Du bist damit die erste, die in 3000 Jahren Arbekta betreten hat." meinte das Mädchen.

In 3000 Jahren hatten Magier es nicht geschafft diese Barriere einzureisen. Wer hatte die Macht eine solche Barriere zu erschaffen und sie so lange zu erhalten. Gab es wirklich eine Energiequelle ? Warum wurde sie erschaffen, oder war es nur ein Unfall ? Fragen über Fragen wuselten durch den Kopf von Orchidalia. Antworten würde sie jedoch nicht erhalten.

„Vielleicht…" meinte sie.

Sie wollte versuchen, wieder durch die Barriere zurückzugehen. Neugierig schaute das Mädchen zu. Vorsichtig näherte sich die Hand von Orchidalia dem Kraftfeld. Als sie Kontakt hatte, spürte sie eine wohlige Wärme und eine feste Masse. Die Barriere gab nicht nach. So fest Orchidalia auch drückte, sie konnte nichts bewirken.

„Ich kann nicht zurück." meinte sie schließlich enttäuscht.

„Erstaunlich. Offenbar kann man diese Barriere nur von innen nach außen durchqueren. Wem könnte das etwas bringen ?" fragte das junge Mädchen.

„Keine Ahnung. Die Stadt wurde von einem lebenden Irgendwas zerstört. Jocasta hatte einen Namen dafür. Vielleicht hat es auch die Barriere errichtet. " meinte Orchidalia.

Das junge Mädchen trat näher an Orchidalia heran.

„Hier kommen wir nicht weiter. Ich nehme mal an, du kennst hier niemanden, also kommst du erst mal mit zu mir. Dann können wir ein wenig plaudern. Man nennt mich übrigens Vision. Wie darf ich dich nennen ?"

„Ich bin Orchidalia." antwortete die immer noch auf die Barriere starrende Orchidalia.

„Vision ?….. Das ist ein ungewöhnlicher Name. " meinte sie kurz darauf.

Vision war eine Seherin, welche Ereignisse der Zukunft sehen konnte. Leider waren die Deutungen dieser nicht so einfach, denn sie konnte natürlich kein exaktes Datum vorhersagen. Deshalb waren alle Visionen eher ein Fluch. Sie kannte die bevorstehenden Ereignisse, konnte zwar alle warnen, aber wenn es dann eintrat, nicht verhindern. Das machte Vision auf Dauer sehr zu schaffen. Ihre Freunde wandten sich von ihr ab. Sie war ein einsames Mädchen. Vision konnte zwar sehen, erkannte aber keine Farben und in der Nacht war sie absolut blind. Vision war froh endlich mal wieder jemanden zum reden gefunden zu haben. Sie nahm Orchidalia an die Hand und zog sie fort von der Barriere.

„Komm ! Ich zeig dir, wo ich wohne. "

Sie liefen drei oder vier Schritte, als Vision etwas ungewöhnliches spürte. Sie trug keine Schuhe und konnte deshalb die klare kugelförmige Struktur gut ertasten. Nach einem leichten Knacken, weil sie draufgetreten war, ließ sie die junge Amazone los und neigte sich zum Boden.

„Was liegt denn hier schönes ? " fragte sie.

Orchidalia blieb stehen und schaute Vision zu.

„Was hast du da ? "

„Ich bin auf etwas rundes getreten. Vielleicht ist es wertvoll. " sagte sie.

Orchidalia beachtete sie nicht weiter und schaute sich die Barriere noch einmal an.

„Verdammt ! Ich hab es kaputt gemacht. " sprach Vision enttäuscht.

Sie erhob sich und hielt in ihrer linken Hand, die vom Dreck stark verschmutzt war, weil sie das Objekt ausgegraben hatte, eine runde Kugel. Sie hatte kleine Risse bekommen, weil Vision auf sie getreten war. Sie war nicht sehr stabil.

„Schade. " sagte sie.

„Sieht nett aus. " meinte Orchidalia desinteressiert.

Vision schaute sich das Objekt genauer an. Aus den Rissen schien ein kleiner Nebel auszuströmen.

„Was ist das ? " fragte sie.

Orchidalia schaute sich jetzt auch genauer an, was Vision da in ihrer Hand hielt. Der mysteriöse Nebel besorgte sie ein wenig. Die Kugel machte ihr ein wenig Angst.

„Wir sollten ihn lieber nicht einatmen. Wer weis schon, wie gefährlich er ist. " sagte Orchidalia.

„Ich leg sie wohl besser wieder ab. " meinte Vision.

Die Kugel begann jetzt langsam zu vibrieren. Dadurch knackte es ein paar mal in der Kugel und die Risse in ihr wurden größer. Dadurch strömte deutlich mehr Nebel aus ihr heraus.

„Das gefällt mir überhaupt nicht. " sagte Orchidalia.

„Was soll ich tun !? Was soll ich tun !? " fragte Vision panisch.

Doch Orchidalia brauchte nicht mehr zu antworten. Noch in der Hand von Vision zerbrach die Kugel und setzte den kompletten Nebel auf einen Schlag frei. Der ungewöhnliche Nebel bildete rasch einen Orkan der beide Frauen in die Lüfte hob. Orchidalia packte Vision bei den Händen und beide sahen einander an. Vision schrie laut und hatte furchtbare Angst. Orchidalia versuchte nicht in Panik zu geraten und hielt Vision fest an den Händen. Der Sturm tobte in einer etwa 10 Meter großen Blase und hielt die beiden Frauen ständig im Zentrum gefangen. Die Kugel war ein Artefakt, welches einen kleinen Zauber beinhaltete. Der Kugelsturm, wie er unter den gebildeten Magiern genannt wurde, bewegte sich nicht vom Fleck. Er hatte eine andere Funktion.

2.Ein normaler Tag im Leben der Saphirmaid:

Es war ein Tag, wie jeder andere auch. Saphirmaid erwachte aus ihrem unruhigen Schlaf. Sie starrte einen Moment an die Decke ihres Gemachs. Sie war hier allein und niemand würde es wagen, an die Tür zu klopfen oder diese zu öffnen. Außerdem gab es hier nur zwei Personen, die dies hätten tun können. Aber Lina und Fures waren froh, wenn sie die Maid nicht zu sehen kriegen würden.

Saphirmaid gähnte kurz und setzte sich aufrecht. Dabei wedelten ein paar Federn durch den Raum. Genervt fuhr sie mit der linken Hand durch ihr Haar und hatte sofort einige Federn in ihrer Hand. Ihre Mine verfinsterte sich rasch. Sie schaute sich um und sah ihr völlig zerrissenes Kissen. Die metallischen Haarsträhnen hatten so ihre Tücken. In besonders unruhigen Nächten schnitten sie das Kissen schnell ein und ruinierten es. Wütend nahm sie beide Hände und wuschelte damit durch ihre Haare, um die Federn aus ihnen zu entfernen. Dabei klapperten die Haarsträhnen sehr stark und schlugen heftig gegeneinander. Das dabei entstehende Geräusch von einem Haufen Metall schmerzte ihren Ohren. Ihre Laune wurde deshalb nicht besser. Nachts konnte sie die Haare nicht einölen, um das Geräusch zu dämpfen, da sie das ganze Bett versauen würden. Nachdem die Maid ihre Haare von den Federn befreit hatte, spürte sie Schmerzen in den Fingern beider Hände. Sie schaute sich ihre Finger an, die übersät mit Schnittwunden waren.

Ihre Lippen zuckten einen Moment und sie schrie laut auf. Es war nicht der Schmerz, der sie zum Schreien bewegte. Sie schrie ihren Frust hinaus. Wütend sprang sie aus dem Bett.

Eine Dusche sollte sie beruhigen. Schnell entledigte sie sich ihres Nachthemds. Sie wußte eigentlich, das dies nicht sinnvoll war, aber sie hatte heute einen normalen Tag erwischt. Deshalb geschah genau das, was sie hätte vermeiden können. Ihr Nachthemd blieb an einigen Haarsträhnen hängen und diese bohrten Löcher hinein. Als die Maid hörte, wie es einriß, tat sie, was sie immer tat, in dieser Situation. Sie rastete aus und zerrte das Nachthemd wütend über ihren Kopf, so daß es teilweise in Streifen geschnitten wurde. Wütend warf sie es zu Boden und trampelte ein paar mal darauf herum. Sie atmete tief durch, konnte sich aber nicht wirklich beruhigen.

Jetzt hob sie zuerst den linken und dann den rechten Arm. Sie kontrollierte die Achselhaare. Diese mußte sie regelmäßig entfernen, denn sie waren scharf und verletzten ihre Arme, wenn sie sich bewegte. Wenn sie dies nicht rechtzeitig tat, schnitt sie sich unter den Achseln ständig die Arme auf. Jedes Haar an ihrem Körper war metallisch und so waren ständig Verletzungen an ihrem Körper, wenn die Haare Kontakt zu anderen Körperteilen hatten. Die Maid hatte dieses Problem noch nie mit jemanden besprochen. Es gab ja auch niemanden, mit dem sie hätte reden können. Sie hatte schon mehrfach versucht ein Gespräch mit Lina zu führen, es aber noch nie getan. Die Beziehung zu Lina war sehr schwierig. Beide sprachen sehr aggressiv miteinander und die Maid hätte ihr am liebsten mal eine Tracht Prügel verabreicht, aber wenn sie je ein Gespräch mit ihr führen wollte, mußte sie diese Gefühle unterdrücken. Und da sie ständig wütend war, fiel ihr das sehr schwer. Ihre extreme Aggressivität, der Wut und der andauernde Hass waren magisch verursacht. Sie hatte keine Kontrolle darüber. Magie im Blut zu haben, bedeutet nun einmal gute und schlechte Fähigkeiten zu besitzen. Leider besitzt die Maid ein sehr breites Spektrum an starken Magien. Nur Hanibis hatte ein breiteres Spektrum. Ob sie allerdings auch negative Fähigkeiten hatte, ist nicht bekannt. Saphirmaid hat sie und sie sind sehr stark ausgeprägt. Das ist nicht immer gut für sie. Aber diese Eigenschaften waren nicht die schlimmste Nebenwirkung.

Saphirmaid ging ins Bad und stellte sich unter die Dusch. Immer wenn die Maid unter den Duschkopf ging, erzeugte es automatisch Wasser und regulierte die Temperatur, indem die Maid telepatisch anwies, ob kälter oder wärmer gewünscht war. Sie blieb eine ganze Weile unter der Dusche, um sich zu beruhigen. Da heute ein normaler Tag war, dauerte das nur eine Stunde. An schlimmen Tagen konnte das auch mal fünf Stunden dauern.

Als sie das Bad verlies, nutzte sie kein Handtuch oder etwas vergleichbares, um sich abzutrocknen. Das hätte auch nichts gebracht. Es wäre dann auch ständig zerrissen worden. Also hockte sie sich an den Kamin und schaute in die Flammen, während ihr Körper trocknete. Nebenbei begann sie sich anzukleiden. Ihr Höschen glich einem winzigen Kettenhemd. Sie konnte kein normales anziehen, da es bei jedem Toilettengang durch ihre Schamhaare hätte beschädigt werden können.

Sie hatte keinen Kamm für ihre Haare, der wäre auch nicht lange heil geblieben. Sie verwendete eine Art Gabel mit 10 Zacken, um die Haare zu richten. Auf dem Schränkchen rechts vom Kamin stand ein großer Glasbehälter, indem sich ein duftendes Öl befand. Mit einem Pinsel, der darin stand, strich sie ihre Haare ein. Das magische Öl, welches von einem Spezialisten der Alchemie hergestellt wurde, haftete bis zu 12 Stunden in ihren Haaren und dämpfte so die Geräusche erheblich, die die Haare verursachten, wenn sie gegeneinander schlugen. Sie mußte das tun, denn das ständige Geklapper schmerzte ihren Ohren und sie hatte große Mühe dann nicht durch zu drehen. Erst nach dieser Prozedur legte das 1,20 Meter große Mädchen ihr Kleid an.

Das schuppenartig aussehende Kleid war sehr leicht, hatte aber auch metallische Komponenten, die es äußerst robust machten. Durch die schuppenartige Struktur blieb es aber sehr beweglich. Das Kleid hatte dafür aber einen großen Nachteil. Die Kleidung atmete nicht mit und so wurde es schnell sehr warm darunter. Deshalb lies die Maid den Bauchbereich frei. Ihre Schultern waren komplett frei und nur zwei dünne Träger hielten das Kleid. Auch die Arme und Beine waren komplett ungeschützt. Nur Hände und Füße erhielten Schutz. All diese Teile der Rüstung waren schuppenartig angeordnet. Es schien sich dabei um einen kompletten Kleidungssatz zu handeln, zu dem auch ein Helm gehörte, den die Maid aber nie trug. Sie legte all diese Kleidungsstücke langsam an, denn es drängelte sie ja niemand. Erst danach begab sich die Saphirmaid aus ihren Räumen.

Sie ging die Gänge entlang, wo sie ihre Laboranten vermutete. Lina und Fures begutachteten gerade einen Behälter. Die Box war eine von mehreren, die in Reih und Glied hier aufgereiht sind. Ein leichtes Summen war zu hören. Lina und Fures sagten irgend etwas zur Saphirmaid, aber sie hörte nicht zu. Sie schaute in die Box.

„Das ist ein guter Klon. " sprach Fures.

Erst jetzt hörte die Maid hin. Sie war nicht überzeugt davon, denn sie hatte andere Vorstellungen von einem guten Klon. Sie hatte den Laboranten nicht alle Parameter gegeben, so konnten sie nicht wissen, wonach die Maid suchte.

„Wir haben 200 Klone geschaffen, die eine Leistung von 10 bis 20 % erreichen. Wonach suchen wir eigentlich ? " fragte Lina.

Lina wollte endlich mal Antworten. Die Maid verzog das Gesicht ein wenig. Sie haßte es, wenn Lina sie so direkt ansprach. Sie haßte jede Konversation, sie haßte jedes Wort, eigentlich haßte sie alles und jeden.

Plötzlich schlug sie mit voller Wucht auf die Box ein und zerschmetterte das Glas. Lina und Fures zuckten zurück und traten zwei Schritte nach hinten. Das 13 jährige Mädchen zertrümmerte die Box mit wenigen Schlägen und als der Klon freilag, schlug sie ihm mit einem Hieb die linke Faust durch den Kopf. Der Klon plumpste daraufhin vor ihr auf den Boden. Die Maid drehte sich um und ging zu ihren Gemächern.

„Die ist vollkommen irre !! " schrie ihr Lina hinterher.

„Hör auf ! Willst du, das sie uns killt !? " sagte Fures besorgt.

„Das wird sie eines Tages sowieso tun !! Du bist eine gestörte kleine Göre !!! " schrie Lina ihr laut nach.

Sie wollte, das Saphirmaid es hörte und diese hatte es auch gehört. Sie vernahm auch, wie Lina schluchzte und ihr Fures Trost spendete. Sie hatten ja keine Ahnung, was die Maid zu dieser Tat bewogen hatte.

Die Maid hatte andere Sorgen. Eigentlich wollte sie einen neuen Versuch starten, um mit Lina zu reden, aber daraus wurde auch heute nichts. Sie hatte das Blickfeld der beiden verlassen und kalter Schweiß rann ihre Stirn herunter. Sie sackte zu Boden und hielt sich beide Hände vor den Bauch. Sie hatte enorme Bauchschmerzen und schrie laut auf. Die anderen hielten das nur für einen weiteren Ausraster. Niemand kannte die Wahrheit. Die Maid schleppte sich in ihre Räume und schrie immer wieder vor Schmerzen.

Endlich in ihren eignen vier Wänden eingetroffen, lehnte sie sich einen Moment gegen die geschlossene Tür. Dann legte sie unter Schmerzen das Kleid ab und zog den Kettenslip aus. Der nächste Gang war die Toilette. Diese hatte ein rundes Loch und einen Deckel, wie man es von heutigen Toiletten kennt, aber es gab keine Wasserspülung. Die Toilette lag in einem separaten Raum und hatte einen kleinen Hebel an der Seite. Durch diesen wurde dann mittels Druckluft entsorgt, was auch immer ausgeschieden wurde. Ein Flakon mit magischer Flüssigkeit diente dann der Reinigung und der Luftverbesserung. Doch den würde sie heute nicht brauchen.

Die Saphirmaid schleppte sich mit zittrigen Beinen auf die Toilette. Sie wirkte nicht entspannt, sondern eher ängstlich, obwohl sie sonst nie Emotionen zeigt. Sie schloß die Augen und drückte kräftig. Ihr Kopf lief feuerrot an. Es war eine gewaltige Anstrengung nötig. Dann knallte es gewaltig, als ob jemand etwas schweres in das Becken geworfen hatte. Die Maid entspannte sich kurz und atmete ein paar mal tief durch. Dann preßte sie noch einmal. Es schepperte ein zweites mal. Die Maid atmete erleichtert auf, erhob sich langsam und wirkte deutlich erleichtert.

Sie schaute in das Becken und legte Hand an den Hebel.

„Jeden Tag das gleiche… " sagte sie leise.

Im Becken krabbelten zwei Käfer herum. Sie waren blau, hatten einen Metallpanzer und waren sonst genauso, wie Käfer aussehen würden. Sie waren allerdings etwa 7 cm groß, was die gewaltige Anstrengung und den Schmerz erklärte, den die Maid zuvor hatte. Es erklärte nur nicht, woher die Käfer kamen.

Die Saphirmaid drückte den Hebel und entsorgte die Käfer. Sie schaute zu, wie der Luftsog sie entfernte. Ihre Basis lag irgendwo zwischen den Dimensionen und sie hatte sich oft gefragt, wohin die Käfer eigentlich verschwinden würden, aber nachgeforscht hatte sie deswegen nie. Dann begab sie sich vor den Kamin und setzte sich in einen Sessel. Während sie in die Flammen starrte, rollten dicke Tränen an ihren Wangen hinunter. Die Käfer waren die schlimmste Nebenwirkung, die die Magie in ihr verursachte. Die Saphirmaid hatte ganz offensichtlich ernste gesundheitliche Probleme. Sie war nicht in der Lage den Grund dafür zu finden. Und ihre Forschung mit den Klonen brachte keine Erfolge. Sie war ein 13 jähriges Mädchen ohne Eltern oder Freunde. Sie war gestreßt, genervt, überfordert mit ihren Problemen und sie war allein. Dieser ganze Frust machte sie wütend, haßerfüllt und aggressiv. Sie brauchte Hilfe und war nicht in der Lage, darum zu bitten.

3.Amanda trifft die Baronesse:

Trotz des tobenden Krieges schliefen die tapferen Recken in Ruhe aus. Nur die kleine Amanda schlief nicht so lange und erkundete die Festung. Niemand bemerkte ihre Abwesenheit. Die Türen der Räume konnte sie nicht öffnen, da ihre Klinken viel zu hoch und die Türen viel zu schwer waren. So eilte sie vergnügt durch die Gänge der Festung. Etliche Räume passierte sie, ehe sie einen weit abgelegenen Raum erreichte, dessen Tür einen Spalt breit offen war. Neugierig blieb sie stehen. Ein rosafarbenes Leuchten erregte ihre Aufmerksamkeit. Unvorsichtig, wie kleine Kinder nun einmal sind, zwängte sie sich durch den kleinen Spalt. Das seltsame Leuchten kam von keiner Fackel oder einem Objekt. Eine riesige Frau stand mit dem Rücken zu der kleinen Amanda.

„Hi ! Wohnst du auch hier !? " fragte Amanda höflich und naiv.

Die riesige Frau drehte sich zur Tür, um die kleine Amanda sehen zu können. Sie war sehr schön und lächelte das Kind an. Da sie etwa 6 m groß war, schaute sie nach unten. Amanda blickte sie mit offnem Mund an. Alles an der Frau leuchtete. Ihre rosafarbenen Haare reichten bis zu ihrer Kniekehle. Sie waren wellig und sehr füllig. Sie hatte rosa Augen und ihre Lippen waren dezent in rosa geschminkt. Ihre Gesichtshaut war gepudert und das Puder hatte rosafarbene Partikel auf ihren Wangen hinterlassen. Sie trug ein weißes Kleid, das Kleid einer Prinzessin. Es war überall mit rosa Edelsteinen verziert. An jedem der zehn Finger trug sie einen Ring. Natürlich hatten sie auch rosa Edelsteine, genauso wie die Kette um ihren Hals. An beiden Ohren trug sie Ohrringe. Das waren etwa 10 cm lange Ketten an deren Ende ein riesiger rosafarbener Edelstein hing. Sie hatte zwei Schmuckstücke in den Haaren, die die Form eines Schmetterlings hatten und aus rosafarbenen Edelsteinen gefertigt waren. Und alle diese Edelsteine und Partikel leuchteten. Die Frau trat einen Schritt nach vorn und neigte sich zu Amanda hinunter. Sie reichte ihr die Hand. Und Amanda nahm sie. Wortlos blickte sie die schöne Frau an.

„Ich bin die Baronesse. Wollen wir Freunde sein ? "

Amanda nickte. Sie hatte noch nie eine so schöne Frau gesehen. Nicht einmal Veltissa war so schön.

„Aber du darfst niemandem von mir erzählen. Einverstanden. Du bekommst auch ein Geschenk von mir. "

Amanda nickte erneut.

Die Sonne war schon lange aufgegangen, als die ersten ihr Nachtlager verließen. Die Queen schaute, als sie ihr Bett verließ, sofort nach Amanda. Sie war nicht im Zimmer. Gleich auf dem Gang fand sie die Kleine. Sie spielte mit ein paar Edelsteinen. Auf ihre Frage, woher sie diese hatte, antwortete Amanda mit einer Lüge. Sie habe sie gefunden, sagte sie und die Queen hatte keinen Grund ihr zu mißtrauen. Wie sie es versprochen hatte, erwähnte Amanda nicht das Treffen mit der Baronesse.

4.Syphania entdeckt ein uraltes Geheimnis:

Die beiden Feen und Syphania begaben sich in das Erdloch, welches entstand, als der Gossus verschwand. Die Königin der Wasserspeier steckte ihr Waffe in den Boden, denn mitnehmen konnte sie diese nicht.

„Kommt bitte zurück. " sprach Vision, als sie niemand mehr hören konnte. Sie hatte Angst und konnte sich nicht entscheiden, was sie tun sollte. Das Trio folgte einem kleinen Gang, der an einer Holzleiter endete. Sie führte ein paar Meter nach unten. Feen benötigten keine Leitern, da sie fliegen konnten. Deshalb nutzte nur Syphania die Leiter.

„Ich mach mal Licht. " sprach Malloi.

An den Wänden hingen Fackeln, die schnell entzündet waren. Dafür brauchte Malloi keine Streichhölzer, denn als Fee beherrschte sie kleine Feuerzauber. Feen waren, von allen Arten auf dieser Welt, mit den meisten magischen Kräften ausgestattet. Jede Fee beherrschte Grundmagien. Dazu zählten Feuerzauber, Heilmagien und Bannzauber.

Nachdem Malloi etwas Licht gemacht hatte, erkannten sie die winzige Größe der Höhle.

„Das wars schon ? " fragte Avatess enttäuscht.

Der Ort war keine 20 Quadratmeter groß, rund angelegt und hatte eine kleine Nische, die direkt vor ihnen lag. Der Raum selber war etwa 2 Meter hoch, so daß Syphania problemlos darin gehen konnte.

Avatess und Malloi hielten sich hinter Syphania, die zuerst auf die Nische zuging.

„Bei der Göttin ! " rief Avatess schließlich.

In der Nische hockte ein Skelett. Die Arme waren immer noch an der Wand angekettet, als ob jemand hier lebendig eingesperrt wurde. Diese Höhle zeigte nicht, was die Geschichten erzählten.

„Das sind magische Ketten ! "

Malloi hatte erkannt, das die Ketten immer noch in tadellosen Zustand waren. Eine oberflächliche Analyse brachte die Wahrheit ans Tageslicht. Avatess war etwas verwirrt.

„Warum sollte man jemanden lebendig begraben und ihn zusätzlich mit magischen Ketten bändigen ? "

Syphania war still geworden.

„Nephamu, ….was hast du getan ? " fragte sie leise.

„Was weißt du, über die Schlacht, die hier tobte ? " fragte Avatess Malloi.

„In den Chroniken des Reiches ist ein Kampf mit Psycho Weapon aufgeführt. Da alle beteiligten verschwanden, wurde wohl vieles falsch interpretiert. Hier ist etwas ganz anderes passiert. " erklärte Malloi.

„Könnte das vielleicht Nephamu sein ? " fragte Avatess.

„Nein, Nephamu mußte den Gossus vor die Erdhöhle bewegen. Das konnte sie nicht von hier unten und schon gar nicht mit magischen Ketten. " meinte Syphania.

„Es sei denn, eine weitere Königin der Wasserspeier war anwesend. " widersprach Malloi.

„Das ist äußerst unwahrscheinlich. Zu jener Zeit gab es keine weiteren Königinnen. " erklärte Syphania.

„Wer könnte es dann sein ? " fragte Avatess.

„Das ist das Grab von Hanibis !! " rief Vision, die sich endlich nach unten getraut hatte.

Vision stand an der Leiter und schaute auf das Skelett. Die Feen und Syphania schauten sie überrascht an.

„Das ist Hanibis ! Und wenn wir keine Katastrophe erleben wollen, sollten wir das Grab schnell wieder verlassen und versiegeln, wie es einst Nephamu getan hat ! " rief Vision ihnen zu.

„Woher willst du das wissen ? " fragte Malloi.

„Hattest du eine Vision ? " fragte Avatess.

Vision nickte. Syphania zögerte nicht und entschloß sich zu handeln.

„Sie hat Visionen ! Und die sind verdammt zuverlässig ! Ich behaupte nicht, zu wissen, was los ist, aber ich weiß, das man Visions Visionen nicht unbeachtet lassen darf. Raus hier !! " rief sie.

Syphania packte Malloi und zerrte sie zur Leiter. Avatess folgte ohne zu murren. Ohne weitere Worte zu wechseln, eilten alle ins Freie.

„Hanibis ist ein Mythos ! Ich habe in den Chroniken nicht einen Beweis für ihre Existenz gefunden !! "

Malloi glaubte Vision nicht. Letztere war aufgeregt und zitterte am ganzen Leib. Aber sie froh, endlich die Wahrheit gesagt zu haben.

„Du setzt dich lieber. " meinte Avatess zu ihr.

„Ich versiegle den Eingang wieder. " rief Syphania.

„Das darfst du nicht ! So eine Gelegenheit kriegen wir nie wieder. Sie könnte sich irren. " rief Malloi.

„Es ist genug ! Wenn auch nur die kleinste Chance besteht, das Grab von Hanibis gefunden zu haben, dann muß es für immer versiegelt werden. Niemand darf es betreten. Es ist einfach zu gefährlich. " sprach Avatess.

Syphania erweckte den Gossus mühelos und brauchte sich auch nicht weiter anzustrengen, denn der Gigant hockte sich selbstständig in das Erdloch. Dann fing er an zu schreien, während er wieder versteinerte. Jetzt war alles wieder so, wie sie es vorgefunden hatten.

„Es gibt Geheimnisse, die man besser begraben läßt. " meinte Syphania, als sie fertig war.

Malloi war sauer. Sie schaute Vision wütend an.

5.Die Schlacht um Walkyres beginnt:

Der Morgen brach an. Die Schlacht stand unmittelbar bevor. Walkyres war die Hauptstadt der Amazonen und zugleich Sitz der Amazonenkönigin. Es war die größte Stadt in Amaria. Karis und ihre Beraterinnen machten diese Stadt zu der am stärksten befestigten Stadt von Amaria. Sie konnte noch nie eingenommen werden. Aber die Bedrohung für die Stadt war noch nie so ernst, wie heute. Die Freunde von Orchidalia und sie selbst standen auf dem Balkon des Hauptturmes. Von hier hatten sie eine tolle Aussicht. Der Balkon ging um den gesamten Turm herum, so daß sie jede Richtung einsehen konnten.

„Bei den Flüchen von Hanibis. Wie sollen wir die alle aufhalten ? " fragte Aspados besorgt.

Die Stadt war vollkommen vom Feind eingeschlossen. Die Stadt jetzt noch zu verlassen, war nicht mehr möglich. Um die Stadt herum tummelten sich mehrere Hundert Absorberbiester. Sie zeigten keinerlei aggressive Neigungen. Es gab sie von klein, also etwa 2 Meter Länge, bis groß, was dann etwa 50 Meter bedeutete. Den Ausdruck riesig zu verwenden, wäre im Vergleich zum Muttertier unpassend. Sie schliefen, schlenderten herum oder knabberten am Grünzeug.

Dafür waren die Absorberschatten deutlich mehr beschäftigt. Sie entfernten die Absorbersteine, das waren riesige schwarze Obelisken, von den Rücken der Biester. Sie waren für den Transport auf denen befestigt worden. Absorberschatten waren weder kräftig noch groß, sie dienten zur Spionage oder für die Weitergabe von Informationen. Diese schier unglaubliche Anzahl von ihnen war bei Beginn der Schlacht das größte Problem für die Amazonen. Die Schatten konnten sich in jeden Winkel der Stadt teleportieren und waren durch die Stadtmauer nicht aufzuhalten. Generalin Alinda war schon seit Stunden unterwegs. Sie postierte ihre Amazonen und Walküren in der Stadt. Natürlich hatte Michelle sich ihr angeschlossen und ihren eigenen Bereich erhalten. Außerdem mußte jeder Bürger der Stadt bewaffnet werden. Kinder, Frauen und ältere Menschen mußten in spezielle Bereiche gebracht werden, wo die Magier der Stadt mit Hilfe von magischen Barrieren für ihre Sicherheit sorgten.

Die Schatten nutzten die Kraft einiger Absorberskelette, die je nach Energiezufuhr endlos wachsen konnten. Diese etwa 5 Meter großen Exemplare hatten keinerlei Mühe, die Absorbersteine aufzustellen. Zum Glück für die Amazonen hatte Absorbia sie nicht zu Titanen gemacht. Das wäre auch nicht sonderlich sinnvoll gewesen, da die Skelette sehr instabil waren und schnell zerstört werden konnten. Das wäre dann selbst für Absorbia, die einen endlosen Vorrat an Energie zu haben schien, Energieverschwendung. Die Absorbersteine entzogen den Menschen der Stadt die Energie. Sie verringerten die magischen Kräfte der Bewohner und führten diese Energiemengen Absorbia zu. Wer sich zu nah an die Stadtmauern wagte, spürte den Energieverlust. Wer keine magischen Kräfte hatte, den beeindruckten die Absorbersteine nicht. Aspados war etwas verwundert. Absorbia hätte die Steine etwas näher an die Stadt bringen können, aber sie tat es nicht. Sie hatte einen Plan, aber Aspados kam nicht dahinter, was genau sie geplant hatte. Auf keinen Fall durfte sie unterschätzt werden.

Kleinere Beben kündeten die Ankunft der Heeresführung an. Das Muttertier kam auf Walkyres zu. Mit jedem seiner Schritte wurden die Beben heftiger. Es war sehr langsam, da es bei seiner gigantischen Größe ein unglaubliches Gewicht bewegen mußte. Auf dem Rücken ihres Lieblings stand Absorbia. Sie trug ein gelbes Kleid, geschmückt mit den schönsten Edelsteinen, die man stehlen kann. Wie üblich, kaute sie auf dem Kopf einer Fee herum, den sie wie einen Kaugummi benutzte. Dafür biß sie den Kopf der lebenden Fee ab und warf den Körper danach einfach fort. Sie war noch weit von Walkyres entfernt und sah entspannt aus. In der Stadt konnte man die Ankunft spüren, den Gigant aber noch nicht richtig erkennen. Seine Umrisse wurden aber immer deutlicher.

Der Gürtel von Absorbersteinen wurde mit jede Minute dichter. Die Vorbereitungsarbeiten neigten sich dem Ende zu. Einige vereinzelte Absorberwürmer krochen dicht unter der Oberfläche durch das Gelände. Auch sie konnten in die Stadt eindringen, ohne die Stadtmauer überqueren zu müssen. Die Gruppe hatte Karis auch über diese Kreaturen informiert, soweit sie Informationen hatte. Sie gezielt abzuwehren, war allerdings nicht möglich.

Der Himmel verdunkelte sich jetzt langsam. Die Bewohner der Stadt schauten zum Himmel. Es war noch hell am Tag, aber die Sonne konnte die Stadt nicht erhellen. Aus allen Richtungen kamen Absorberdrachen herangeflogen. Es waren Hunderte. Sie kreisten in sicherer Höhe um die Stadt. Die meisten Amazonen waren mit dem Bogen bewaffnet, um den Angriff aus der Luft abzuwehren. Sie waren dabei nicht allein. Syphania hatte sämtliche Wasserspeier, die sie in der Stadt finden konnte, zur Verfügung. Das waren immerhin 92 Exemplare. Da sie fliegen konnten, waren ihre erste Aufgabe die Drachen von Absorbia. Syphania mußte zuerst einmal die Lufthoheit erringen, bevor sie ihre Wasserspeier anderweitig einsetzen konnte. Ihr zur Seite stand Polarblüte. Ihr Frostangriff war schon einmal sehr nützlich gegen die Drachen. Die Queen sollte ihren Orionstaub lieber nicht anwenden. Die Gefahr war einfach zu groß, die eigenen Leute damit zu gefährden. Dieses Risiko wollte keiner eingehen.

Absorbia hatte im Kampf mit Circia erfahren müssen, das ihre Macht gegen den Kristalldrachen nicht reichte. Sie kannte die Gefahr der legendären Waffen für sich und ihre Kreaturen. Und sie hatte sich darauf eingestellt.

Aus dem Karminwald, der sich südlich von Walkyres befand, traten jetzt 5 Absorberskelette von stattlichen 20 Metern heraus. Begleitet wurden sie von drei riesigen Spinnen. Diese waren so groß wie ein Haus. Orcanis erkannte die Giganten als erste und zitterte am ganzen Körper. Diese Kreaturen waren vollkommen neu für alle.

„Das darf doch nicht wahr sein. " meinte sie dazu.

Vision hatte sich mit Amanda zurückgezogen. Das war nicht ihr Kampf. Zu ihnen gesellte sich Isolde. Die beiden wollten die kleine vom Kampf fernhalten und sie ablenken. Isolde hatte ihre Katze dabei und Amanda spielte mit ihr. Hasra, ihre Tochter Felicia und Helgars begaben sich nach unten. Ihr Ziel war die Stadtmauer. Die Queen blieb auf dem Balkon. Foresia und Gigacron begaben sich nach unten zu den Amazonen, die die Drachen abwehren sollten. Es gab keine bessere Bogenschützin als Foresia. Die kleine Waldelfe war ein wahrer Meister darin. Gigacron würde an ihrer Seite bleiben und sie schützen, so lange er konnte. Vahlis und Pahlia standen unbeeindruckt auf dem Balkon. Die Zwillingsschwestern waren im gesamten Land bekannt. Ihnen wurde nachgesagt, die mächtigste aller legendären Waffen zu führen, aber verwendet hatten sie diese noch nie. Karis nickte ihnen noch einmal zu und ging ebenfalls vom Balkon. Sie war eine Amazone, sie war die Amazone. Sie würde neben ihren Schwestern kämpfen und sterben, wie es jede Königin vor ihr getan hatte und jede Königin nach ihr tun würde. Eine Karis zu besiegen, war sehr schwer. Sie führte zwei Klingen, wie es auch Hasra tat, aber ihre Seelenklinge vermochte schon bei einer Verletzung den Tod herbeizuführen. Ihr folgten Orchidalia und Avatess. Karis wollte nicht riskieren, Orchidalia zu verlieren. Ihre besondere Fähigkeit konnte in der Zukunft noch von großer Bedeutung sein. Sie wollte sie deshalb in ihrer Nähe haben. Und Avatess war in der Nähe, um im Notfall zu helfen.

Orcanis hatte fürchterliche Angst. Sie konnte sich nicht beruhigen und floh vom Balkon. Aspados schaute kurz zu seiner Tochter, die ihm mit einem Nicken zu verstehen gab, er solle ihr folgen und eilte ihr hinterher. Seit Orcanis die Gruppe mit einem Meteor beinahe getötet hatte, war sie unsicher und zweifelte an sich. Aspados war ein erfahrener Magier und versuchte der unerfahrenen Zauberin zu helfen, aber es war nicht leicht mit ihr. Alles war in Position und wartete auf Absorbia. Der eine oder andere wünschte sich bereits, das es endlich losging, denn die Warterei zehrte an den Nerven. Während die normale Bevölkerung vor Angst zitterte und schweißnasse Hände hatte, blieben die tapferen Kriegerinnen ruhig. Sie zogen keine Schwerter und spannten keine Bögen. Ihnen war klar, das noch Zeit war. Absorbia war noch nicht auf dem Schlachtfeld angekommen.

Plötzlich öffnete sich völlig unerwartet ein Portal auf dem Hof. Erschrocken zuckten die Menschen zurück. Die in der Nähe befindlichen Amazonen nahmen Kampfstellung ein. Aber sie alle entspannten sich schnell. Jeder hier erkannte das Portal. Es war bekannt. Hasra erkannte das Portal und eilte sofort in den Hof. Jocasta trat aus dem Portal, genau wie erwartet. Sie trug ihre goldene Rüstung. Die Bevölkerung atmete auf. Diese Frau war wahrlich willkommen. Ihre Kampfkraft wurde dringend gebraucht. Sie wurde sofort von Hasra empfangen.

„Ich bin froh, dich zu sehen. Das gibt uns allen Hoffnung. Wenn du hier bist, besteht eine echte Chance. Du würdest nicht kommen, wenn du nicht einen Plan hättest. " sprach Hasra sie an.

Jocasta lächelte und schaute kurz auf den Turm hoch.

„Wenn es uns gelingt, Absorbia lange genug zu beschäftigen… " sagte sie.

„Lange genug ? Wofür ? " wollte Hasra wissen.

„Alles eine Frage der Zeit. " sprach Jocasta.

Das Portal hatte sich noch nicht geschlossen. Das hatte einen guten Grund. Jocasta war nicht allein gekommen. Aus dem Portal strömten zahlreiche Feen heraus. Diese konnten die Absorberbiester nicht angreifen, aber Verletzungen heilen. Hasra verstand sofort. Jocasta wollte Zeit gewinnen und die Verteidigung der Stadt solange wie möglich aufrecht erhalten. Sie hatte einen Plan. Als letzte kam Carah aus dem Tor. Ihre Erscheinung war den meisten nicht bekannt. Ihre blasse blaue Hautfarbe war nicht das Problem. Die schwarzen Schatten, die um sie herum schwebten, ließen sie wie einen Dämon wirken. Sie trug zwei kleine Dolche in den Händen und trat neben Jocasta. Dabei setzte sie ein düsteres Lächeln auf. Ihre Vorfreude auf die Schlacht war unpassend, aber es lag nun einmal in ihrer Natur. Sie war eine geborene Killerin, wobei geboren natürlich nicht zutreffend war, da sie als magisches Geschöpf in diese Welt gebracht wurde. Sie verdankte Jocasta ihr Leben und war seitdem immer in ihrer Nähe zu finden. Sie war der Leibwächter von Jocasta, auch wenn diese gar keinen nötig hatte.

Absorbia hatte die Ankunft von Jocasta nicht mitbekommen. Sie stand auf ihrem Liebling. Die riesigen Skelette und Spinnen blieben am Waldrand. Sie sollten erst später zum Einsatz kommen. Das Muttertier trampelte den Wald nieder und erreichte die Ebene vor der Stadt. Mit dem Erscheinen des Muttertieres schwand der Mut unter dem Volk schnell. Diese riesige Kreatur konnte Walkyres einfach niedertrampeln, aber es blieb im Hintergrund. Absorbia sah in die Ferne. Die Absorbersteine waren rings um die Stadt aufgestellt, alle ihre Einheiten bereit für den Angriff. Absorbia schaute sich ihre Armee an, während eine leichte Brise durch ihre Haare wehte. Sie war noch nie ein geduldiger Mensch gewesen und hob ihre rechte Hand. Alle ihre Absorberschatten zückten ihre Dolche und die Absorberbiester rappelten sich auf. Sie begaben sich in Angriffsformation. Die Drachen flogen weiterhin in sicherer Distanz um die Stadt. Der Angriff stand unmittelbar bevor. Karis nahm beide Klingen in die Hände. Das war das Signal für alle Kriegerinnen. Die Amazonen zogen ihre Waffen und spannten die Bögen.

„Worauf wartet sie ? " fragte Hasra ungeduldig.

„Sie ist kein Kind mehr. Sie hat sich vorbereitet. " meinte Jocasta zu ihr.

Absorbia schaute noch eine Weile auf ihre gewaltige Streitmacht und hob schließlich den Arm. Ein Schatten teleportierte sich fort und gab dem Muttertier ein Zeichen, weil es nicht sehen konnte, was Absorbia machte. Das Muttertier schrie laut auf. Der Schrei war überall in der Stadt zu hören.

„Es beginnt. " sprach die Queen und schaute in den Himmel.

„Was war das ? " fragte Amanda und schaute zum Fenster.

„Es geht jetzt los, kleine. Aber wir sind bei dir. " sprach Isolde.